Produkthaushalt
Der Haushalt ist das zentrale Steuerungs- (Haushaltsplan) und Rechenschaftsinstrument (Haushaltsrechnung) der Kommune.
Die im Haushaltsplan abzubildenden aggregierten Produkte (die Darstellungsebene ist im Rahmen der haushaltsrechtlichen Vorgaben prinzipiell nach Zweckmäßigkeit zu wählen: Produkte, Schlüsselprodukte, Produktgruppen, Produktbereiche) bilden die Verbindung zwischen dem an sie anknüpfenden Ressourcenverbrauch und den damit angestrebten Zielen und Wirkungen.
Die mit der Reform des Gemeindehaushaltsrechts angestrebte Verbesserung der Steuerung der Kommunalverwaltungen (vgl. Leitlinien für eine Reform des kommunalen Haushaltsrechts vom 21.11.2003) wird durch eine neue Gliederung des Haushaltsplans umgesetzt. Die produktorientierte Gliederung soll deshalb das führende und verbindliche Gliederungsprinzip für den Haushalt sein. Das bedeutet unter anderem, dass der neue Produkthaushalt keine Sammelnachweise mehr kenn, da auch die Aufwandsarten, die üblicherweise in Sammelnachweisen oder zentralen Haushaltsstellen bewirtschaftet wurden (Personal, Gebäude, Reinigung, Energiekosten etc.). den Produkt- bzw. Produktgruppenbudgets zugeordnet werden. Wo das nicht unmittelbar möglich ist, sollen interne Leistungsverrechnungen für eine verursachungsgerechte Zuordnung sorgen.
Die Teilhaushalte bilden ein Budget. Die Budgetbildung, die mit dem neuen Haushaltsrecht in der Regel flächendeckend vorgesehen ist, ergänzt das an der Leistung für die örtliche Gemeinschaft orientierte Produktgliederungsprinzip des Haushalts und soll eine klar erkennbare Verantwortlichkeit (nach außen) und flexibler Mittelbewirtschaftung (nach innen) ermöglichen. Je nach landesrechtlicher Regelung kann die Gliederung der Teilergebnishaushalte nach Produktbereichen, Produktgruppen etc. oder nach Organisationseinheiten erfolgen. In beiden Gliederungsformen sollen Produktbereichs-, Produktgruppen- und Produktinformationen dargestellt und die monetären Budgetansätze durch Ziele und Kennzahlen für Produktgruppen oder Einzelprodukte ergänzt werden.
Gliederung und Informationsqualität des Produkthaushalts greifen damit Anforderungen auf, die im Zuge der Verwaltungsreformdiskussion der 90'er Jahre (Neues Steuerungsmodell) bereits vorformuliert worden sind.
Weitere Stichworte: Budgetierung, Haushaltsplanverfahren und Eckwertebeschluss, Ziele und Kennzahlen/Indikatoren, Berichtswesen, Haushaltsgliederung.
Vergleichsdatenbank www.doppikvergleich.de von KGSt und Bertelsmann Stiftung: siehe das Thema
- Literatur/Aufsätze
» Buchholz, Gabriele; Lasar, Andreas: Entwicklung der ergebnisorientierten Steuerung in der Kommunalverwaltung. In: Verwaltung und Management, Heft 6, S. 293-303
» Küchler-Stahn, Nicole; Siegel, Philipp: Fünf Thesen zur Weiterentwicklung der kommunalen Haushaltssteuerung. In: Verwaltung und Management, Heft 6, S. 304-310
» Landesrechtliche Regelungen und Mustergliederungen, vgl. z. B. für NRW: RdErl. des Innenministeriums vom 24.02.2005, Anlagen 5 bis 7. In: Neues Kommunales Finanzmanagement in Nordrhein-Westfalen: Handreichung für Kommunen, 3. Auflage (2008), S. 889 - 896
» Beschluss der Innenminister und -senatoren der Länder vom 21.11.2003 zum neuen Haushalts- und Rechnungswesen der Kommunen.
» Lüder, Klaus: Neues öffentliches Haushalts- und Rechnungswesen. Berlin 2001.
» Marettek, Christian: Steuerungsorientierte Gestaltung von doppischen Haushalten - Das richtige Maß finden. In: Der Gemeindehaushalt Heft 5/2010, S. 97 - 106
» Schnurpfeil, Rouven: Die Gestaltung eines doppischen Haushaltsplanes in Rheinland-Pfalz. In: Der Gemeindehaushalt, Heft 8/2011, S. 173-176 - Örtliche Beispiele
Doppische Haushaltspläne
Baden-Württemberg
» Haushaltsplan Stadt Karlsruhe 20011/2012
Brandenburg
» Haushaltsplan Stadt Potsdam 2010
Hessen
» Haushaltsplan Sadt Kassel 2010 (PDF, 3,61 MB)
» Haushaltsplan Stadt Griesheim 2009 (PDF, 3,41 MB)
Niedersachsen
» Haushaltsplan Gemeinde Katlenburg-Lindau 2010 (PDF 2,48 MB)
» Haushaltsplan Landkreis Wesermarsch 2010 Teil 1 (PDF 2,17 MB)
» Haushaltsplan Landkreis Wesermarsch 2010 Teil 2 (PDF 3,81 MB)
Nordrhein-Westfalen
» Haushaltsplan Stadt Hörstel 2010 (PDF, 2,84 MB)
» Haushaltsplan Stadt Neuss 2011
» Haushaltsplan Gemeinde Reichshof 2010 (PDF, 9,1 MB)
» Haushaltsplan Stadt Leichlingen 2010 (PDF, 8,17 MB)
» Haushaltsplan Stadt Lüdenscheid 2009 (PDF, 8,02 MB)
» Haushaltsplanentwurf Stadt Lohmar 2010 (PDF, 4,40 MB)
» Haushaltsplan Stadt Hilden 2011
» Haushaltsplan Gemeinde Wachtberg 2009
Rheinland-Pfalz
» Haushaltsplan Rhein-Lahn-Kreis 2011 (PDF, 4,19 MB)
Thüringen
» Haushaltsplan Stadt Heilbad-Heiligenstadt 2011 (PDF, 5,8 MB) - Links
» Berliner Manifest zum öffentlichen Haushalts- und Rechnungswesen in Deutschland; Mehr Transparenz, Effektivität und Effizienz in Politik und Verwaltungen durch ein einheitliches doppisches Haushalts- und Rechnungswesen, Prof. Dr. Dr. h.c. Dietrich Budäus (siehe hier insbes. Thesen 7, 9, 13 und 14)
Ansprechpartner
Arbeitsergebnisse
Materialien 4/2008
Stand der Einführung des neuen Haushalts- und Rechnungswesens, Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage


