Bildung

BildungEin wichtiger Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der Kommunen liegt darin, das Handlungsfeld Bildung in kommunaler Verantwortung zu gestalten. In die Bereiche Bildung und (berufliche) Ausbildung zu investieren ist gleichbedeutend mit einer Investition in die zukünftige Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes.

Ausdifferenzierte Familienstrukturen (z. B. Alleinerziehende), andere Lebensbiografien und das sich immer schneller vermehrende Wissen machen Bildung nicht mehr zu einem "sich selbst steuernden System" in Familie, Schule und Lebensumfeld, sondern erfordern "geplante Bildungsprozesse und -inhalte". Bildung wird ein Ganztages- und lebenslanger Prozess. "Leitbild des Engagements der Städte ist die kommunale Bildungslandschaft im Sinne eines vernetzten Systems von Erziehung, Bildung und Betreuung. Hauptmerkmale der kommunalen Bildungslandschaft sind:

  • Individuelle Potentiale des Individuums und deren Förderung in der Lebensperspektive sind Ausgangspunkt für die Organisation von Bildungs- und Lernprozessen. Kein Kind, kein Jugendlicher darf verloren gehen.
  • Die für Bildung zuständigen Akteure arbeiten auf der Basis verbindlicher Strukturen zusammen: Familie, Kinder- und Jugendhilfe, Schule, Kultur, Sport, Wirtschaft etc.
  • Eltern bzw. Familien werden als zentrale Bildungspartner einbezogen.
  • Übergänge werden nach dem Prinzip 'Anschlüsse statt Ausschlüsse' ermöglicht und gestaltet.
  • Die kulturelle Bildung wird als wichtiger Teil ganzheitlicher Bildung einbezogen. (Siehe Deutscher Städtetag, 2007.)

Es geht darum, kommunale Bildungslandschaften zu gestalten, die mehr Chancengerechtigkeit, Integration sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Zahlreiche Kommunen haben begonnen, diese Handlungsmöglichkeiten weiter zu entwickeln. Hierbei stellen sich insbesondere folgende Herausforderungen:

  • Kommunale Bildungsplanung sollte unter Beteiligung aller gesellschaftlichen Akteure zu einem fachübergreifenden Handlungsansatz weiter entwickelt werden. Eine integrierte Schul- und Jugendhilfeplanung, Monitoring und Evaluation sowie partizipative, bürgerorientierte Verfahren unterstützen diesen Prozess.
  • Um Kinder und Jugendliche optimal zu fördern und um Benachteiligung und gesellschaftlicher Ausgrenzung vorzubeugen, sind die Kompetenzen von Schule und Jugendhilfe frühzeitig zusammenzuführen. Dazu müssen in der kommunalen Politik und Verwaltung Strukturen aufgebaut werden, die eine enge Kooperation auch im Sinne von integrierten Planungen und der gemeinsamen Entwicklung von Projekten und Maßnahmen ermöglichen.
  • Mit dem Fokus auf die Herausforderungen des demografischen Wandels sind die Kommunen gefordert, Lebenslanges Lernen zu ermöglichen. Für die Entwicklung von Lebenslangem Lernen sind keine neuen Institutionen erforderlich. Die an Bildung, Erziehung und Betreuung beteiligten Institutionen und Akteure müssen unter Verantwortung der Kommune intensiv vernetzt und in ihren Funktionen an die Erfordernisse Lebenslangen Lernens angepasst werden. Sowohl die einzelnen Bildungsstufen als auch die Bildungsangebote und -möglichkeiten müssen verstärkt aufeinander bezogen sein.
  • Der Stadtteil bzw. Sozialraum ist von zentraler Bedeutung für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. Stadtteile bzw. Sozialräume sollten darin gestärkt werden, ihre eigenen Bildungsprofile mit unterschiedlichen Institutionen, wie Jugendverbänden, offener Kinder- und Jugendarbeit, Kirchen, Familienzentren, Bürgerhäusern, kulturellen Einrichtungen, Wirtschaft vor Ort zu entwickeln.
  • Um alle Lernangebote und Lernmöglichkeiten sinnvoll und effizient nutzen zu können, ist es erforderlich, eine entsprechende Infrastruktur bereit zu stellen, die nicht nur fremdorganisiertes, sondern auch selbstorganisiertes Lernen ermöglicht.
  • Der öffentliche Bildungsauftrag für die Erwachsenenbildung liegt in der Hand der Kommunen. Hierbei haben die Volkshochschulen als kommunales Weiterbildungszentrum eine wichtige Funktion. Für sozial oder sprachlich benachteiligte, individuell beeinträchtigte oder beruflich geringer qualifizierte Menschen sind die Angebote zu intensivieren. Die Weiterbildungskonzepte sollten sich verstärkt in die kommunale Struktur- und Beschäftigungspolitik sowie in die Stadtteilentwicklung der Kommune einbringen.