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Assets-as-a-Service und Pay-per-Use

Wie nutzungsbasierte Geschäftsmodelle zukünftig funktionieren

Beitrag von Serkan Katilmis, Maximilian Forster, Sarah Palurovic und Prof. Dr. Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Centers

Die rein verbrauchsbasierte Nutzung von Leistungen, ohne dafür etwas besitzen zu müssen setzt sich nicht mehr nur beim Privatverbraucher durch. Dieser Artikel beschreibt, welche Vorteile diese Assets-as-a-Service- und Pay-per-Use-Modelle vor allem auch Unternehmen und Kommunen bieten können. Es wird gezeigt, wie dadurch die Refinanzierung von Anlagen und Maschinen neu strukturiert wird und wie notwendig eine fortschreitende Digitalisierung zum weiteren Ausbau dieser Ansätze ist.

Einleitung

Von Strom- und Wasserverträgen kennt man es nicht anders: man bezahlt schon immer nutzungsbasiert. Nachdem man sich an Streamingdienste wie Netflix gewöhnt hat, zeichnet sich der Trend zu nutzungsbasierten Geschäftsmodellen auch in der Industrie deutlich ab. Hier geht es ähnlich wie beim Privatverbraucher um Güter mit hohem Anschaffungswert, bei denen man mittlerweile pro Benutzung, also Pay-per-Use, zahlen kann, anstelle das Gut kaufen zu müssen. So muss ein Landwirt für die Ausführung seiner Tätigkeiten keinen Traktor mehr kaufen, er kann ihn mit Hilfe des Konzepts des Unternehmens CashOnLedger für sporadische Nutzung mieten.

Es geht nicht länger um den Besitz des Guts, es geht darum, es benutzen zu können, wenn man den Bedarf dazu hat. Ob für Unternehmen, Verbraucher, Klima oder auch die Gestaltung des öffentlichen Lebens in Städten, dieser Paradigmenwechsel kann eine positive Bilanz für alle Beteiligten mit sich ziehen.

Welche Vorteile diese Modelle bieten

Assets-as-a-Service und Pay-per-Use sind Beispiele für Begriffe, die diese neuen Geschäftsmodelle beschreiben. Sie gehen mit Finanzierungsmodellen für Industrieanlagen und Maschinen einher, wodurch Maschinenparks kleiner und somit weniger risikobehaftet werden. Die Liquidität eines mietenden Unternehmens wird gleichzeitig erhöht. Im Kern des Ansatzes kommt der digitale Euro zu Bezahlzwecken zum Einsatz.

An dem konkreten Beispiel des Traktors wird dies deutlich: Dadurch, dass ein Landwirt einen Traktor mietet anstelle ihn zu kaufen, kann er seine Kapitalausgaben (hierzu gehören z. B. Gebäude, Maschinen und Fahrzeuge) vermindern. Statt dessen erhöhen sich nun seine operativen Ausgaben (hierzu gehören z. B. Gehälter, Miete und Vermögenssteuer).

Diese Bilanzumverteilung zieht unter anderem geringere Kapitalbindung mit sich, dadurch ergibt sich eine höhere Liquidität. Auch eine höhere Auslastung des Traktors oder das Abfedern von Nutzungsspitzen ist dadurch möglich.

Derlei Geschäftsmodelle nutzen einer Kommune, indem sie die Kapitalbindung in Güter überflüssig machen und damit eine Kosteneinsparung ermöglichen. Gleichzeitig verlagert sich das Wartungs- und Betriebsrisiko für das gemietete Gut von der Kommune hin zum Anbieter des Wartungsfahrzeugs.

Nimmt man das Beispiel eines öffentlichen Parks, so wird außerdem die Kapazitätsauslastung durch geringe Stillstandzeit der Fahrzeuge, die die Wartung der Parkanlagen durchführen, erhöht. Damit entsteht auch eine Unabhängigkeit von Einflüssen, wie saisonalen Schwankungen, durch welche die Wartungsfahrzeuge in den Sommer- und Wintermonaten grundsätzlich andere Nutzungs- und somit Auslastungsmuster haben.

Dieses Pay-per-Use Prinzip lässt sich, bezogen auf Städte, von Nutzfahrzeugen auch auf andere Beispiele übertragen. Testanlagen (wie z. B. Kläranlagen) können ebenfalls verbrauchsbasiert abgerechnet werden. Das spart einer Stadt Geld, welches in der städtischen Haushaltsplanung anderweitig verwendet werden kann.

Diese Kombination aus Sachgut und Dienstleistung ermöglicht es dem Kunden, letztendlich das zu tun, was er eigentlich mit dem Gut will: es lediglich zu seinem Zweck zu benutzen.

Welche Potentiale noch ausgeschöpft werden können

Damit Assets-as-a-Service-Modelle sich in ihrem Gesamtpotential entfalten können, bedarf es Voraussetzungen, die in erster Linie technischer Natur sind. Darüber hinaus spielen allerdings auch die Akzeptanz und Adaption möglichst vieler Beteiligter des betroffenen Ökosystems eine weitere entscheidende Rolle.

So würde die Interkonnektivität von Maschinen und technischen Anlagen dafür sorgen, dass Datenströme effizienter gestaltet werden. Erreichen ließe sich diese Interkonnektivität durch das Verwenden einer Distributed Ledger Technologie (DLT), bei der alle Maschinen und sonstige Teilnehmer als Teil ihres eigenen Ökosystems miteinander durch automatisierten und konstanten Datenaustausch kommunizieren.

Dies hat zum Vorteil, dass alle dem Ökosystem zugehörigen Einheiten zu jeder Zeit auf dem gleichen Informationsstand sind und Latenzen und manuelle Prozesse vermindert werden. Transaktionen könnten dadurch innerhalb von Sekunden durchgeführt werden.

In dem Traktorbeispiel könnte es so aussehen: Ein gemieteter Traktor erleidet während des Gebrauchs eines Kunden einen Motorschaden. Der entsprechende Sensor erkennt den Defekt als solchen und ist per Smart Contract so mit der Versicherung verbunden, dass sofort eine entsprechende Zahlung der Versicherung an den Kunden ausgelöst wird.

Smart Contracts sind dabei die digitale Abbildung eines Vertrags, der automatisiert ausgeführt wird. Die Zahlungslast, die eigentlich vom Kunden an den Asset-as-a-Service-Anbieter für die Nutzung ausgeht, ließe sich dadurch zum Kunden umkehren. Zahlungsströme lassen sich hier unter allen Beteiligten vollständig automatisiert miteinander verrechnen – und das in Sekundenschnelle. Dabei ist es egal, ob es sich um Maschine oder Unternehmen handelt.

Dieses Beispiel zeigt, dass das Potenzial von Asset-as-a-Service-Angeboten über den reinen Datenaustausch hinaus geht. Es geht darum, mit eben diesen Daten eine solche Geschäftsbeziehung mit vorher festgelegten Parametern (z. B. in welchen Fällen die Versicherung an den Kunden zahlt) technisch so darzustellen, dass diese automatisch ausgeführt werden.

Um die volle Ausbaustufe von Assets-as-a-Service- und Pay-per-Use-Modellen auszuschöpfen, ist der digitale Euro ein wesentlicher Schlüssel. Aktuell werden hierzu noch SEPA-Lastschriften verwendet, bei denen eine Umkehr der Zahlungslast genauso wenig im Rahmen des Möglichen liegt, wie sich selbst ausführende Zahlungsströme und Transaktionen in Echtzeit. Ein digitaler Euro könnte die Programmierbarkeit von Zahlungen mit sich bringen, um das Nutzungserlebnis für den Kunden in Zukunft noch weiter auszubauen und effizienter zu gestalten. Das beschriebene Beispiel funktioniert nur mit einem solchen digitalen Euro.

Geringere Kapitalbindung, höhere Kapazitätsauslastung von Gütern, Umstrukturierung in der Refinanzierung von Anlagegütern, Risiko- und Wartungsminimierung und den Vorteil, ein Gut nicht selbst besitzen zu müssen, sind alles Punkte, die Assets-as-a-Service-Modelle Privatpersonen, industriellen Kunden und Kommunen schon heute bieten können.

Durch die Interkonnektivität verschiedener Maschinen, programmierbare Zahlungen – ermöglicht durch einen digitalen Euro, die Benutzung einer DLT und deren Adaption von anderen Beteiligten (z. B. Versicherungen) können diese Modelle ihr Potential jedoch erst richtig ausschöpfen. Die Trendwende in Richtung Industrie 4.0 ist bereits sichtbar, aber nur durch die genannte weitere Digitalisierung kann ihre Hochkonjunktur erreicht werden.

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