Webcontent-Anzeige

Barrierefreies Internet für Kommunen

Kommunen müssen Internetangebote zukünftig barrierefrei zur Verfügung stellen – dafür sorgt eine neue EU-Richtlinie. Doch was ist zu tun? Das Projekt "BIK für Alle" informiert über Barrierefreiheit im Web und unterstützt die effiziente Umsetzung mit Leitfäden, Praxisbeispielen und Barrierefreiheits-Tests.

 Foto © DIAS GmbH Foto © DIAS GmbH

"Barrierefreiheit wird zukünftig auch auf kommunaler Ebene verpflichtend", erläutert Reinhard Sager, Landrat des Kreises Ostholstein vor Webseiten-Verantwortlichen seiner Region und führt weiter aus, "Informationen über das Internet abzurufen ist zwischenzeitlich Standard und muss auch für Menschen mit Behinderungen möglich sein." Was im Kreis Ostholstein seit längerem Thema ist, wird zukünftig für alle kommunalen Aufgabenträger relevant: Die barrierefreie Gestaltung der Webangebote.

Denn im Dezember 2016 ist die EU-Richtlinie 'über den barrierefreien Zugang zu den Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen' in Kraft getreten. Sie verpflichtet öffentliche Stellen – etwa Verwaltungen, Gerichte, Polizeistellen, öffentliche Krankenhäuser, Universitäten oder Bibliotheken – zu Barrierefreiheit ihrer Internetseiten und Apps.

Umsetzungsfristen und Anforderungen der EU-Richtlinie

Nach dem Inkrafttreten der EU-Richtlinie hat Deutschland 21 Monate Zeit, um erforderliche nationale Rechtsvorschriften zu erlassen. Danach muss es zügig gehen, denn die Übergangsfristen stehen bereits fest: Neuentwickelte Webseiten müssen bis September 2019, bestehende bis September 2020 barrierefrei werden; für mobile Anwendungen bleibt Zeit bis Juni 2021.

Als Maßstab für Barrierefreiheit nennt die EU-Richtlinie die europäische Norm EN 301 549. Bezüglich des Webs gibt die Norm den internationalen Standard, die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG), wieder. Wird Barrierefreiheit gemäß WCAG umgesetzt, profitieren Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen: Neben blinden und sehbehinderten, gehörlosen und schwerhörigen Menschen auch Nutzer mit motorischen oder kognitiven Einschränkungen. Dann können sich zum Beispiel blinde Menschen Internetseiten von ihrer Sprachausgabe vorlesen lassen, schwerhörige Nutzer können ein Online-Video verstehen, weil es eine Untertitelung hat, und Tastaturnutzer – das sind Menschen, die zum Beispiel wegen einer Körperbehinderung nicht mit der Computer-Maus arbeiten können – erreichen alle Elemente.

BIK für alle unterstützt die Umsetzung

Ob die Anforderungen der EU-Richtlinie eingehalten werden, soll Deutschland in Zukunft regelmäßig überprüfen. Ein EU-weites Monitoringverfahren wird derzeit erarbeitet. Doch viele Kommunen haben nur begrenzte Mittel für die Weiterentwicklung ihres Internetauftritts. Hier setzt das Projekt "BIK für Alle" an.

BIK steht für "barrierefrei informieren und kommunizieren" und ist eine vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Projektreihe zum barrierefreien Internet, die es bereits seit 2002 gibt. Damals hatte BIK die Aufgabe, Bundesbehörden bei der Umsetzung von Barrierefreiheit zu unterstützen. Im Jahr 2002 trat in Deutschland die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) in Kraft. Sie definiert, welche Barrierefreiheits-Anforderungen Webangebote von Bundesbehörden erfüllen müssen und auch sie basiert weitgehend auf den WCAG. Als Umsetzungshilfe entwickelte BIK ein Testverfahren: Den BITV-Test. Er wird inzwischen von einem deutschlandweiten Prüfverbund angeboten und ist bereits 1000-fach bei der Entwicklung barrierefreier Webangebote zum Einsatz gekommen. Gut zugängliche Webauftritte bekommen das BIK-Prüfsiegel und werden in eine Liste vorbildlicher Webangebote aufgenommen.

Auch das aktuelle Projekt "BIK für Alle" unterstützt Webseiten-Anbieter bei der Umsetzung von Barrierefreiheit, allerdings in anderen Handlungsbereichen. Einer davon wendet sich speziell an Kommunen und soziale Organisationen. "Wir erproben, wie Barrierefreiheit auf kommunaler Ebene effizient und kostengünstig umgesetzt werden kann.", berichtet BIK-Projektleitung Heike Clauss. "Hierfür haben wir die Zusammenarbeit mit Modellregionen vereinbart, wie dem Kreis Ostholstein." Untersucht wird, welche Unterstützungsangebote und Umsetzungswege sinnvoll sind. Die Ergebnisse werden auf der Internetseite www.bik-für-alle.de veröffentlicht. Hier finden sich auch Praxishilfen wie Leitfäden für Webseiten-Anbieter oder Webredakteure.

Erfahrungen der Modellregion Ostholstein

Um mit angeschlossenen Kommunen und Einrichtungen ins Gespräch zu kommen und diese für das Thema zu sensibilisieren, hat der Kreis Ostholstein eine Informationsveranstaltung organisiert. Einige Wochen später wurden die Web-Praktiker zu einem Umsetzungs-Workshop geladen. Zusätzlich hat der Kreis alle Informationen sowie unterstützende Materialien auf seiner Internetpräsenz, dem Ostholsteinportal, zur Verfügung gestellt.

Im kommenden Jahr steht für das Ostholsteinportal ein Relaunch an. Ein guter Zeitpunkt, um in Sachen Zugänglichkeit weiter zu optimieren. Die Webseiten-Verantwortlichen wollen entwicklungsbegleitend die kostenfreie BITV/WCAG Selbstbewertung durchführen, ein Prüftool für alle, die sich an den Anforderungen von WCAG und BITV orientieren wollen. "Die Verantwortlichen können so überprüfen, wo noch Mängel bestehen, und bekommen eine Art To-do-Liste, mit der sie planen können", erklärt Heike Clauss. Und noch ein Hinweis ist der Expertin wichtig: "Wer Barrierefreiheit umsetzt, hat nicht nur alle Nutzer im Blick, sondern auch ein Webangebot, das auf gute Bedienbarkeit und Verständlichkeit setzt und besonders suchmaschinenfreundlich ist." Gemeinsam mit der Gesetzeslage dürfte es also nicht an Argumenten mangeln, bei Webangeboten zukünftig an Barrierefreiheit zu denken.

Webcontent-Anzeige
Bildnachweis: Megafon - Aktuelles © Zerbor www.fotolia.com