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Die digitale Straßenlaterne als Einstiegspunkt in den Bereich Smart City

Gastbeitrag von Prof. Dr. Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Centers

Bisher werden zumeist ganze Straßenzüge beleuchtet. Das Einschalten am Abend und das Ausschalten am Morgen passiert in einer diskreten Weise. Das bedeutet, dass Straßenzüge zu einer bestimmten Uhrzeit an- und ausgeschaltet werden können. Eine präzise und gegebenenfalls intelligente Steuerung ist zumeist nicht möglich.

 Lichter auf nächtlicher Straße © andre xavier/EyeEm – stock.adobe.com Lichter auf nächtlicher Straße © andre xavier/EyeEm – Adobe.Stock

Die digitale Straßenlaterne hat dagegen die folgenden wesentlichen technischen Kernmerkmale: Jede einzelne Straßenlaterne kann per Funksignal individuell ein- und ausgeschaltet werden. Gleichzeitig besitzt die digitale Straßenlaterne auch eine Kamera, mit der das Geschehen in ihrer Umgebung analysiert werden kann.

Dadurch sind sehr spannende Anwendungsmöglichkeiten denkbar: Wenn sich eine Person oder ein Fahrzeug der digitalen Straßenlaterne nähert, so wird sie eingeschaltet. Anderenfalls bleibt sie ausgeschaltet. Dies spart natürlich Strom. Die eingebaute Kamera dient hier schlicht als Bewegungsmelder.

Spannend wird es nun, wenn die digitale Straßenlaterne per Blockchain-Technologie an ein Zahlungsnetzwerk angeschlossen würde. Die Straßenlaterne könnte dann individuell dafür bezahlt werden, zu leuchten.

Beispielsweise wäre es denkbar, dass ein Straßenzug am frühen Abend automatisch beleuchtet wird, wie es heute bereits der Fall ist. Die Kosten hierfür tragen typischerweise die Stadtverwaltung bzw. die Stadtwerke. Hat ein Anwohner nun den speziellen Wunsch, dass der an sein Haus angrenzende Straßenabschnitt die ganze Nacht beleuchtet wird – etwa aus Sicherheitsgründen – dann könnte er die digitale Straßenlaterne hierfür bezahlen. Anwohner, die dies wünschen, würden speziell dafür bezahlen – Anwohner, die dies nicht wünschen, sparen Geld.

Die digitale Straßenlaterne würde so zu einer eigenen Verrechnungseinheit. Sie hätte Kosten, etwa für Strom oder Wartung und sie hätte Erlöse, etwa wenn ein Anwohner besondere Sicherheitsbedürfnisse hätte. Die Beleuchtung von Straßen wäre dann aus Sicht der Stadtverwaltung nicht mehr nur eine Kostenposition, sondern wäre auch mit Einnahmen verbunden. Dies könnte es auch ermöglichen, dass Investoren im Sinne von Public-Private-Partnerships die Investitionskosten aufbringen können und wollen, einen Straßenzug mit digitalen Straßenlaternen auszurüsten.

Weitere Anwendungsfälle werden denkbar, wenn die eingebaute Kamera eine intelligente Bilderkennung ermöglicht. Die Anwendungsfelder werden durch dieses "Ökosystem" richtig faszinierend: Die digitale Straßenlaterne überwacht etwa mit der eingebauten Kamera ihre eigene Nachbarschaft. Die dort parkenden Autos werden identifiziert und für die Parkzeit könnte automatisch eine minutengenaue Parkgebühr entfallen.

Die digitale Straßenlaterne könnte mit der eingebauten Kamera auch den fahrenden Verkehr beobachten und bei sehr starkem Verkehr eine Passiergebühr erheben. Diese Kosten würden dazu führen, dass der Fahrende genau überlegt, ob er diese Straße passiert. In Summe würde es die Verkehrsfrequenz senken und damit den Verkehr reduzieren.

In ersten Testprojekten wurden solche digitalen Straßenlaternen bereits aufgebaut. Natürlich sind viele Fragen zu klären: Möchte man einen Straßenzug, den Parkraum und den Verkehr ökonomisieren? Wie steht es um den Datenschutz, vor allem durch die Auswertungen der eingebauten Kamera? Natürlich müssen diese Fragen beantwortet werden. Und doch lohnt es sich, dieses Gedankenspiel fortzuführen, um die positiven Aspekte für die Anwohner und für die Stadtverwaltung zu erörtern.

Bisher gibt es nur Testprojekte. Die für die digitalen Straßenlaternen erforderlichen Technologien sind teilweise bereits vorhanden: Dies betrifft die Funksteuerung des Lichts oder die Bilderkennung von Kameras. Andere Technologien, wie etwa ein Blockchain-Netzwerk für die Bezahlung in Euro, an das digitale Straßenlaternen angeschlossen werden können, damit Zahlungsvorgänge autonom stattfinden können, gibt es bisweilen ebenfalls erst im Teststadium. Daher ist es umso wichtiger, dass sich Städte und Kommunen offen zeigen, um etwa einen Straßenzug zu Test- und Erpobungszwecken mit digitalen Straßenlaternen auszustatten. Nur dann können das Potenzial analysiert und alle offenen Fragen – auch die kritischen – sinnvoll beantwortet werden.

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Bildnachweis: Megafon – Aktuelles © Zerbor Adobe.Stock