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Digitales Sportstättenmanagement – Theorie trifft Praxis

Vergleichsring Sportstätten

Im Sport wird es immer darum gehen, sich im Wettbewerb zu messen und die sportlichen Leistungen zu vergleichen. Allein in der Leichtathletik gibt es Zeitmesser, Maßbänder und andere technische Hilfsmittel, um sportliche Leistungen konkret zu ermitteln. Der Vergleichsring Sportstätten beschäftigte sich in seiner Jahressitzung im Dezember 2019 schwerpunktmäßig mit Digitalisierungsaspekten im kommunalen Sportstättenmanagement mit dem Anspruch, Digitalisierung über Zahlen im Vergleich greifbar zu machen.

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Doch wie lässt sich ein Digitalisierungsgrad Sport messen? Wie können Vor- und Nachteile von digitalen Aspekten für die Vergleichskommunen sichtbar werden?

In einem ersten Schritt erarbeitete und beschrieb der Vergleichsring 20 digitale Aspekte, die das Sportstättenmanagement in der Verwaltung oder auch die Nutzenden kommunaler Sportstätten im externen Kundenkontakt unterstützen können. Die digitalen Aspekte wurden von sportfachlichen Experteninnen und Experten aus insgesamt 19 Vergleichskommunen nach Ihrem Unterstützungsgrad für das lokale Sportstättenmanagement priorisiert und die jeweiligen "Top-5-Aspekte" nach ihrem Rang bepunktet (Platz 1 = 5 Punkte bis Platz 5 = 1 Punkt).

Folgenden sechs Aspekten wiesen die Vergleichskommunen eine besonders hohe Relevanz für das kommunale Sportstättenmanagement zu:

  1. Die Sportstättenvergabe wird durch eine Fachsoftware unterstützt (70 Punkte)
  2. Die Abrechnung von Sportstättenbenutzungsentgelten erfolgt automatisiert (30 Punkte)
  3. Die Gebäudetechnik der gedeckten Sportstätten (Heizung, Lüftung, Licht) ist automatisch steuerbar (27 Punkte)
  4. Der Schriftverkehr mit den Sportstätten nutzenden Vereinen erfolgt elektronisch (26 Punkte)
  5. Belegungswünsche und/oder kommunale Kursangebote können online gebucht werden (26 Punkte)
  6. Sportstättenbelegungspläne können öffentlich eingesehen werden (24 Punkte)

Die digitale Unterstützung des Sportstättenmanagements über eine Fachsoftware wurde mit hohem Abstand auf Platz 1 Priorisiert. Zu beachten ist dabei auch, dass die ebenfalls hoch bewerteten Aspekte 2, 5 und 6 in der Regel auch mit dem Einsatz einer Fachsoftwarelösung im Sportstättenmanagement verbunden sind.

Im nächsten Schritt gaben die Vergleichskommunen im Rahmen einer Selbsteinschätzung an, ob die digitale Unterstützung je Aspekt gar nicht, kaum, teilweise, überwiegend oder vollständig lokal umgesetzt ist. Über diese fünfstufige Einschätzung wurden Punktwerte je Aspekt von 0,00 (gar nicht) in 0,25 Schritten bis 1,00 (vollständig) vergeben.

Sofern eine Kommune theoretisch alle 20 Aspekte vollständig umgesetzt hätte, käme nach dieser Methode ein maximaler Punktwert von 20 Punkten und somit ein Digitalisierungsgrad von 100 Prozent heraus. Auf einer anonymisierten Ebene konnten auf diesem Wege folgende Werte in den Vergleichskommunen gemessen und verglichen werden sofern alle Aspekte gleichrangig in der Berechnung berücksichtigt wurden:

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 Abbildung 1: Anonymisierte Ergebnisse Digitalisierungsgrad Sportstättenmanagement Anonymisierte Ergebnisse: Digitalisierungsgrad Sportstättenmanagement

 

Im Median der Vergleichskommunen wurde ein Digitalisierungsgrad von 31,58 Prozent festgestellt. Der maximale Wert von 100 Prozent soll dabei nicht als Zielgröße verstanden werden. Vielmehr muss jede Kommune individuell für sich bewerten, welche Digitalisierungsaspekte für die lokale Steuerung des Sportstättenmanagements eine besonders hohe Relevanz haben.

Aus diesem Grund wurden die Angaben der Vergleichskommunen auch in einem weiteren Schritt mit den Relevanzpunkten gewichtet, die im Rahmen der Priorisierung der 20 Digitalisierungsaspekte ermittelt wurden. Besonders hoch priorisierte Aspekte wurden auf diesem Wege stärker bei der Auswertung berücksichtigt. Im Ergebnis konnten nach dieser Methode einige Vergleichskommunen höhere Digitalisierungsgrade zwischen 50 bis 60 Prozent erreichen. Sprich: Besonders relevante Digitalisierungsaspekte sind in stärkerem Maße umgesetzt.

Sofern die 20 Digitalisierungsaspekte nach der vorgenommenen Kategorisierung eher verwaltungsinternen Nutzen und dem Nutzen im externen Kundenkontakt getrennt betrachtet werden, zeigte sich, dass die verwaltungsinterne Digitalisierung schon einen deutlichen Schritt weiter ist als die Digitalisierung im externen Kundenkontakt.

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 Abbildung 2: Auswertung Digitalisierungsgrad verwaltungsinterner bzw. im externen Kundenkontakt Auswertung Digitalisierungsgrad verwaltungsintern/extern

 

 

 

 

Mithilfe der Gesamtübersicht der Detailangaben konnten leicht Vergleichskommunen identifiziert werden, die einzelne Digitalisierungsaspekte schon überwiegend oder sogar vollständig umgesetzt haben. Die Vergleichsringkommunen stellten ihre lokalen Beispiele vor und machten Digitalisierung auf der Ebene des praxisbezogenen Erfahrungsaustauschs erlebbar.

Die Stadt Ibbenbüren, Gastgeberkommune der Jahressitzung, berichtete über zwei interessante Projekte. Die Pflege der Sportrasenplätze übernahmen in den letzten Jahren nach und nach Mähroboter. Der Einsatz der mittlerweile 16 Mähroboter erfolgt dabei unter tatkräftiger Unterstützung des lokalen Vereinssports, der Aufgaben zur Wartung und Pflege der Mähroboter übernimmt und auch bei vorbereitenden Maßnahmen (z. B. Reinigung der Rasenflächen) unterstützt. Der Baubetriebshof konnte auf diese Weise bereits rund 500 Arbeitsstunden für die Platzpflege einsparen.

Die abschließende Wirtschaftlichkeit des Robotereinsatzes kann erst mittelfristig beurteilt werden. Bereits jetzt wird jedoch deutlich, dass sich der Pflegezustand und der Nutzungskomfort für die Sporttreibenden durch den kontinuierlichen Rasenschnitt deutlich verbessert haben und sowohl die Verwaltung als auch die nutzenden Vereine sehr zufrieden mit der Projektumsetzung sind.

Als weiteres Beispiel stellte die Stadt Ibbenbüren das neue webbasierte Sportportal im städtischen Internetauftritt vor, über das allgemeine Informationen zu den Sportstätten und insbesondere die Belegung der Sporthallen veröffentlicht werden. Mit dem Softwareeinsatz erhofft sich die Sportverwaltung einerseits mehr Transparenz bei der Sportstättenvergabe, andererseits soll auch die Buchung freier Hallenkapazitäten als neuer Online-Dienst ermöglicht werden.

Die nächste Sitzung des Vergleichsrings Sportstätten findet vom 30. November bis 1. Dezember 2020 in der Landeshauptstadt Potsdam statt. Ein Schwerpunkt im interkommunalen Austausch soll auf dem Thema Inklusion/Barrierefreiheit in Sportstätten liegen. Zudem werden wir betrachten, wie sich die Digitalisierungsprojekte der Vergleichskommunen entwickelt haben.

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