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Kommunales Integrationsmanagement. Teil 1: Managementansätze und strategische Konzeptionierung (7/2017)

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Beschreibung

Das Thema Integration ist ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt und hat von Bund, Ländern und Kommunen große Anstrengungen gefordert. Die Integration der geflüchteten Menschen findet vor Ort in den Kommunen statt. Gemeinsam mit der engagierten Stadtgesellschaft (wir nutzen in diesem Bericht anstatt des Begriffs "Zivilgesellschaft" den Begriff "Stadtgesellschaft" und beziehen dabei die Kreisgesellschaft mit ein) müssen sie dabei vielfältige Probleme lösen. Dies ist keine vorübergehende Situation, sondern wird die Kommunen dauerhaft beschäftigen. Sie sind daher gefordert, Integration proaktiv zu gestalten. Die Ausgangslage in den Kommunen unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht und damit auch die örtlichen Herausforderungen. Es gibt keine Patentlösungen. Dabei belasten häufige Rechtsänderungen und eine nicht auskömmliche Finanzierung die Umsetzung der Querschnittsaufgabe Integration in den Kommunen.

Der Fokus des Berichts, der durch die KGSt in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung und der Robert Bosch Stiftung GmbH erarbeitet wurde, liegt auf der Integration der in der aktuellen Flüchtlingssituation eingewanderten Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten. Der hier vorliegende Teil 1 des Berichtes entwickelt ein integriertes Steuerungskonzept, mit dem es gelingt, die vielfältigen wie notwendigen Angebote und Leistungen im Handlungsfeld Integration innerhalb und außerhalb der Kommunalverwaltung zu koordinieren und einheitlich auszurichten. Teil 2 des Berichts enthält praxisnahe Handlungsempfehlungen zu den Bereichen Wohnen, Sprache, Bildung, Arbeitsmarkt und Wirtschaft, Gesundheit, Sport und Kultur sowie zu zentralen Erfolgsfaktoren des kommunalen Integrationsmanagements (Bürgerengagement, Sicherheit, Digitalisierung, Agilität, Wirkungscontrolling).

Globale Entwicklungen werden auch zukünftig Menschen zur Flucht nach Europa bewegen. Die Digitalisierung ermöglicht heute die bewusste Wahl der Fluchtziele und beeinflusst die Menschen bei der Organisation und Kommunikation vor, während und nach der Flucht. Die Entwicklung großer Städte deutet darauf hin, dass sich Vielfalt zum Standard entwickelt und das Prinzip einer homogenen Mehrheitsgesellschaft sich möglicherweise auf Dauer verändern wird. Diese Entwicklung wird sich eventuell, wenn auch verzögert, auch auf kleinere Städte und ländliche Regionen auswirken.

Um eine vielfältige Gesellschaft auf der Grundlage unserer Verfassung und unseres Wertesystems zu gestalten, muss Integrationsmanagement Wirkung erzeugen. Dazu ist Integration im ständigen Fokus kommunaler Fachstrategien zu verorten. Dabei ist der ressourcenorientierte Potentialansatz zu bevorzugen. Wir verstehen Integration als einen wechselseitigen Prozess, der Teilhabe ermöglichen soll und das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen auf einer gemeinsamen, unserem Grundgesetz entsprechenden Wertebasis mit einschließt. Dafür sind Sprachkenntnisse, Integrationskurse, Zugang zu Bildung und Weiterbildung, Beteiligung an Wirtschaft und Arbeitsmarkt, menschenwürdige Wohnbedingungen und das Wohnumfeld ebenso wichtig wie eine hinreichende rechtliche Stellung und eine Förderung der politischen Beteiligung der Zuwanderer.

Die Bürgerkommune mit den Elementen Transparenz, Beteiligung und Zusammenarbeit liefert die Basis für ein kommunales Leitbild Integration. Eine daraus zu entwickelnde Strategie ist mit der kommunalen Gesamtstrategie zu verzahnen. Das Kommunale Steuerungsmodell enthält die wesentlichen Steuerungsinstrumente, die im Bereich Integration angewendet werden müssen. Insbesondere Instrumente des Finanzmanagements (Produkte, Ziele, Kennzahlen, Wirkungen) sind verstärkt zu nutzen. Darüber hinaus muss das Integrationsmanagement mit der Steuerung nachhaltiger kommunaler Sozialpolitik synchronisiert werden. Sozialräumliche Ansätze helfen, die Bedarfe unterschiedlicher Zielgruppen in eine Balance zu bringen.

Eine nicht gelingende Integration birgt erhebliche Risiken für die Entwicklung der Stadtgesellschaft. Ein Risikomanagement auf Basis von Zukunftsszenarien zeigt auf, welche Ursachen erfolgreiche Integration verhindern und nimmt gleichsam die Chancen in den Blick. Entwicklung, Überprüfung und Anpassung geeigneter Steuerungsmaßnahmen im Sinne des Managementkreislaufs sorgt dafür, dass sich Szenarien positiv entwickeln.

Dies kann nur im Netzwerk gelingen. Insbesondere Freie Träger und Migrantenselbstorganisationen besitzen gute Zugänge zu Zielgruppen und sollten unbedingt eingebunden werden. Engagierte Bürger sollten beteiligt und die geflüchteten Menschen selbst im Sinne von Empowerment stärker involviert werden.

Es ist Aufgabe der Kommune, dem Netzwerk Prozesse und Strukturen zu geben, die von möglichst vielen Akteuren getragen werden. Auf Basis eines Leitbilds Integration wird das Netzwerk auf Ziele hin ausgerichtet und in die Strukturen der örtlichen Sozialplanung eingebunden. Nicht nur für die kommunalen Akteure im Netzwerk sind dazu ein spezifisches Rollenverständnis und entsprechende Kompetenzen notwendig. Das Leistungsnetz aus niederschwelligen, oft sozialräumlich orientierten Angeboten und Einzelfallhilfen muss durch ein qualifiziertes Fallmanagement ergänzt werden, wenn Menschen Probleme haben, die benötigten Hilfen selbst zu koordinieren. Als Beitrag zu einer passgenaueren Unterstützung hilft Fallmanagement dabei, Kosten zu sparen und Integration nachhaltiger auszurichten.

Um die geschilderten Anforderungen zu erfüllen, müssen vor Ort passgenaue aufbauorganisatorische Lösungen gefunden werden. Die Zusammenführung von Ausländerbehörde, Flüchtlingssozialarbeit und Integrationsmanagement kann wesentlich dazu beitragen, Zielkonflikte konstruktiv anzugehen und die Leistungen einheitlich auszurichten. Weitere Maßnahmen, wie die räumliche Zusammenführung der relevanten Aufgabenbereiche und Einrichtung von Servicecentern, helfen Schnittstellen zu reduzieren, auftretende Konflikte zu entschärfen und die Effizienz zu steigern.

Erklärvideo zum Bericht: hier klicken

 
 

Detail Informationen

Arbeitsergebnisse
KGSt
Kreutzer, Matthias; Pamp, Andreas; Wieliki, Matthias
20170410A0002
7/2017
11.04.2017
1635kb