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Umsetzungsstand des kommunalen Risikomanagements. Ergebnisse einer Umfrage: Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen (1/2019)

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Beschreibung

Die Auseinandersetzung mit Risiken ist für Kommunen nichts Neues: In regelmäßigen Abständen werden Führungskräfte, Beschäftigte und politische Mandatsträger mit unsicheren Ereignissen konfrontiert. Häufig bestehen aber nur vage und eher ungenaue Vorstellungen darüber, wie sicher (bzw. risikobehaftet) Prognosen, Planwerte und Prozesse sind. Risikobetrachtungen erfolgen oftmals nur intuitiv und unterliegen keiner systematischen Vorgehensweise.

Risikomanagement in Kommunen dient der Sicherung der stetigen Aufgabenerfüllung, dauerhaften Leistungsfähigkeit und Daseinsvorsorge. Damit unterscheidet es sich vom Risikomanagement im Privatsektor, das vornehmlich auf die Erreichung wirtschaftlicher Ziele ausgerichtet ist.

Um einen Überblick über den Umsetzungsstand des kommunalen Risikomanagements zu gewinnen und herauszufinden, welche Rahmenbedingungen ein erfolgreiches Risikomanagement begünstigen, hat die KGSt eine standardisierte Online-Befragung unter ihren Mitgliedern durchgeführt. Insgesamt haben 122 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Fragebogen vollständig ausgefüllt.

Die KGSt bedankt sich an dieser Stelle bei Frau Stephanie Blättler und Herrn Prof. Dr. Stefan Hunziker, Hochschule Luzern, University of Applied Sciences and Arts, für die wissenschaftliche Begleitung und Unterstützung bei der Auswertung. Ein Dank gilt ebenso unseren Projektpartnern Weisse & Kollegen für die Mitarbeit bei der Konzeption und Gestaltung des Fragebogens.

Wichtige Ergebnisse der Umfrage:

  • Nahezu alle Umfrageteilnehmer/-innen (98 %) halten ein systematisches Risikomanagement im Finanzbereich für notwendig und erforderlich. Über die Hälfte der Befragten hält Risikomanagement sogar für unverzichtbar, um die Verwaltung insgesamt zu steuern.
  • Allerdings verfügt nicht einmal jede zehnte Kommune über ein flächendeckendes Risikomanagement. Knapp ein Drittel der Befragten gab an, zumindest in ausgewählten Teilbereichen über ein systematisches Risikomanagement zu verfügen. In jeder fünften Kommune ist die Einführung mittelfristig, d. h. innerhalb der nächsten fünf Jahre, vorgesehen.
  • Größere Gemeinden verfügen eher über ein systematisches Risikomanagement als kleinere Gemeinden.
  • Die Umfrageteilnehmer/-innen messen nicht nur finanziellen Risiken, sondern auch der Abwehr von Gefahren für Mensch und Umwelt, von Sach- und Vermögensschäden sowie der Betrugs- und Korruptionsvorbeugung einen hohen Stellenwert bei. Gleichwohl haben die meisten Kommunen, die über ein Risikomanagement verfügen, dieses im Finanzbereich eingerichtet.
  • Bei mehr als zwei Dritteln der Befragten wurden in der Vergangenheit bereits dolose Handlungen (Diebstahl, Betrug und Untreue, Unterschlagung, Urkundenfälschung, Korruption u. Ä.) aufgedeckt. Zudem treten bei jeder fünften Kommune häufig vermeidbare Fehler in wesentlichen Arbeitsprozessen auf.
  • Hindernisse, die der Einführung eines systematischen Risikomanagements entgegenstehen können, sind Zeitmangel und begrenzte Personalressourcen, die fehlende Unterstützung durch politische Gremien und die Verwaltungsleitung sowie mangelndes Fachwissen der Beschäftigten.
  • 17 % der Umfrageteilnehmer/-innen geben an, im Rahmen des Risikomanagements auch Chancen zu berücksichtigen.

Die KGSt wird die Umfrageergebnisse in der gutachtlichen Arbeit und in Veranstaltungen berücksichtigen und ist an einem Dialog zum Thema Risikomanagement sowie an weiteren Rückmeldungen aus Kommunen sehr interessiert.

 
 

Detail Informationen

Arbeitsergebnisse
KGSt
Gerstacker, Michael
20190118A0015
1/2019
30.01.2019
677kb