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Fortbildung für das Neue Haushalts- und Rechnungswesen (B 11/2003)

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Beschreibung

Die Kommunen befinden sich kurz vor der größten Reform des Haushalts- und Rechnungswesens seit etwa 200 Jahren. Die endgültigen Weichen für ein neues kommunales Haushaltsrecht auf der Basis des Ressourcenverbrauchskonzepts hat die Innenministerkonferenz IMK durch ihren Beschluss am 21. November 2003 gestellt. In allen Ländern stehen Änderungen im Gemeindehaushaltsrecht an, mit denen die bisherige Kameralistik endültig abgelöst wird, und zwar bis zum Jahr 2010. Es wird ein doppisches System oder - das wollen einige Länder wahlweise zulassen - eine um betriebswirtschaftliche Elemente erweiterte Kameralistik geben.

Zahlreiche Beschäftigte - Fach- ebenso wie Führungskräfte - müssen innerhalb weniger Jahre für das neue Haushaltsrecht qualifiziert werden. Das wird eine verpflichtende Qualifizierung sein, denn anders als bei manchen Managementreformen fehlt die Möglichkeit, auf die Reform gänzlich zu verzichten und in tradierter Weise weiterzuarbeiten. Ebenso wenig können die Kommunen an die Freiwilligkeit der Beschäftigten appellieren. Es muss von Beginn an deutlich gemacht werden, dass es hier um eine neue Rechtslage geht.

Der nachfolgende Bericht befasst sich ausschließlich mit der Fortbildung während der Umstiegsphase vom alten auf das neue Haushaltsrecht. Die weitere Ergänzungs- und Anpassungsfortbildung wird ebenso wenig behandelt wie die Neuausrichtung der Ausbildung. Hinweise für beide Themenbereiche, etwa zu Lerninhalten für das neue Haushalts- und Rechnungswesen, können dem Bericht aber dennoch entnommen werden.

Die Finanzlage der Kommunen macht derzeit jede Reform schwierig und lässt es nicht zu, mehr als das unbedingt Notwendige zu tun. Kompensationen, bei denen etwa Lernbereitschaft durch Höhergruppierung etc. "geweckt" wird, darf es bei dieser Reform nicht geben. Das muss die kommunale Führung von Beginn an deutlich machen. Ganz im Gegenteil: Der Bericht empfiehlt, ergänzend zu Fortbildungskursen für das neue Haushalts- und Rechnungswesen das Selbstlernen außerhalb der Arbeitszeit (durch Lesen von Fachliteratur, Nacharbeiten von Unterrichtsstoff, Übungsaufgaben etc.) zu thematisieren, und zwar stärker als bisher in den Kommunen üblich.

Kenntnisse zum neuen Haushalts- und Rechnungswesen werden nicht von allen Beschäftigten in den Kommunen gleichermaßen benötigt. Der Bericht benennt deshalb verschiedene Zielgruppen und definiert ihre Lernbedarfe. Er schlägt Lerninhalte vor und gibt Hinweise zu ihrer Bedeutung für die einzelnen Zielgruppen.

Zu den Zielgruppen gehören auch die Mitglieder von Räten und Kreistagen (politische Entscheidungsträger). Mit ihren Informationsbedarfen befasst sich ein eigenes Kapitel am Berichtsende.

Fortbildung für das neue Haushalts- und Rechnungswesen, die über eine grundsätzliche Vorab-Orientierung hinausgeht und detaillierte Kenntnisse vermittelt (zu Buchungssätzen, Kontierungen, gesetzlichen Bestimmungen etc.), kann nicht „auf Vorrat“ erfolgen, da die Einzelheiten wieder vergessen werden, wenn sie nicht relativ schnell im Arbeitsalltag angewendet werden können. Das bedeutet: Der größte Teil der Fortbildung für das neue Haushalts- und Rechnungswesen muss vor, während und nach der Einführung relativ zügig erfolgen.

Wenn innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne viele Beschäftigte fortgebildet werden, erfordert dies eine gute Planung, die auf die Sicherstellung des laufenden Dienstbetriebs Rücksicht nimmt und die Ressourcen für die Fortbildung sorgsam einsetzt: Die Organisation der Fortbildung muss auf die Ressourcen, Räume (ggf. mit Computerausstattung) und Dozenten abgestellt sein. Beides kann knapp werden, wenn - etwa vor den nach Landesrecht geltenden Stichtagen - mehrere Kommunen in einem Land/ einer Region ihre Beschäftigten quasi gleichzeitig schulen. Auch darauf geht der Bericht ein.

Die Kommunen werden - nicht zuletzt zur Beantragung von Haushaltsmitteln - ihre Kosten für das neue Haushalts- und Rechnungswesen kalkulieren müssen. Für die Kalkulation der auf die Fortbildung entfallenden Kosten enthält dieser Bericht Hinweise.

Die in den Kommunen vorhandene Finanzsoftware (häufig noch traditionelles HKR-Wesen) wird für das neue Haushalts- und Rechnungswesen nicht ausreichen. In vielen Kommunen oder gemeinsamen kommunalen Datenverarbeitungszentralen steht deshalb zeitgleich mit der Reform auch die Einführung einer neuen Software an. Auch das erfordert Schulung und Training. In vielen Fällen wird der Softwareanbieter vorschlagen, auch die inhaltliche Fortbildung zu übernehmen. Der Bericht empfiehlt, die inhaltliche Fortbildung für die neue Rechtslage zunächst gedanklich-systematisch von der Softwareschulung zu trennen: Kosten und Nutzen einer solchen Lösung sollten gegeneinander abgewogen werden. Eine Kommune (dito: eine gemeinsame Datenverarbeitungszentrale etc.) sollte auf diesen Vorschlag nur eingehen, wenn die sorgsame Prüfung Vorteile ergeben hat. Andernfalls sollte die inhaltliche Fortbildung (in eigener Regie oder mit einer kommunalen Aus- und Fortbildungsinstitution) getrennt von der Softwareschulung erfolgen.

Die Fortbildung für das neue Haushalts- und Rechnungswesen kann durch elektronische Lern- und Vermittlungsformen unterstützt werden. Auch mit dem Thema E-Learning befasst sich dieser Bericht und empfiehlt, E-Learning vor allem in Form von „Blended Learning“ einzusetzen. Darunter versteht man eine Kombination von elektronischen Lern- und Vermittlungsformen mit dem klassischen Präsenzlernen.

Abschließend werden die Informationsbedarfe von Rats- und Kreistagsmitgliedern thematisiert. Da für das doppische wie für das erweiterte kamerale Haushaltsrecht identische materielle Regelungen - etwa zur Frage des Haushaltsausgleichs - gelten sollen (so die Innenministerkonferenz im November 2003), wird der Fortbildungsaufwand auch auf Seiten der Politik für beide Modelle vergleichbar sein.

Die Reform des Haushaltsrechts wird alle Kommunen in den Jahren bis 2010 stark beschäftigen. Der Bericht soll zeigen, dass - zumindest was die Qualifizierung der Beschäftigten angeht - diese Aufgabe mit einem vertretbaren Aufwand gestemmt werden kann. Weitere Berichte der KGSt zum Thema - demnächst zum Einführungsprozess - werden folgen.

 
 

Detail Informationen

Arbeitsergebnisse
KGSt
Wenner, Christiane
20031217B0196
Bericht 11/2003
14.12.2003
480kb