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Anforderungen an das kommunale Geodatenmanagement (B 5/2004)

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Beschreibung

Geodatenmanagement (GDM) heute bedeutet: Daten mit Raumbezug für vielfältige strategische und operative Fragestellungen in Politik und Verwaltung nutzbar zu machen und damit Mehrwerte zu erzeugen. In den Kommunen liegen mannigfaltig Fachdaten in unterschiedlicher Form vor, dazu kommen die geographischen Daten in ihrer eher traditionellen Nutzung. Werden diese in Zukunft verstärkt mit den Fachdaten kombiniert, so erzeugt man neue Nutzungsmöglichkeiten. Das dazu eingesetzte Instrument heißt: GDM. Es ist heute mehr denn je gefragt, wenn es darum geht, schnelle, aktuelle, möglichst präzise und plausible (in Summe also effiziente) Entscheidungen vorzubereiten oder Lösungsmöglichkeiten für komplexe Problemstellungen mit Raumbezug zu erzeugen. Ferner können Daten mit Raumbezug heute genutzt werden, um die Qualität von Informationen im Internet erheblich zu verbessern (z. B. durch Verknüpfung von Adressen mit einem interaktiven Stadtplan).

Diese vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten tragen bei Realisierung dazu bei, die folgenden Wirkungen zu entfalten:

  • durch Zeitersparnis auf Grund der Verkürzung in der Gesamtdauer von Verfahren, werden die Datenhaltungs-/Betreuungskosten gesenkt, Sachkosten (z. B. Mutter-/Lichtpausen, Plots) fallen weg und somit werden Kosten reduziert.
  • durch sofortige Verfügbarkeit aktueller elektronischer Pläne, unmittelbare Übermittlung/Zustellung, Wegfall der Postzustellung, Reduzierung der Liegezeiten, unmittelbare Bearbeitung im IT-System sind Zeitvorteile durch Verfahrensbeschleunigung und Bürokratieabbau zu erzielen.
  • durch unmittelbare und aktuelle Bearbeitung und die Entlastung von Routineaufgaben kann die Qualität gesteigert und können Fehler durch Medienbrüche (Vermeidung mehrfacher Datenerfassung und Digitalisierung) vermieden werden.
  • die unmittelbare Information und Möglichkeit der Bearbeitung mit Feedback über den Bereich der eigenen Verwaltung hinaus führt zur Erhöhung der Lernfähigkeit und verbessert die Kommunikationsprozesse. Die Verbesserung der Kommunikationsprozesse und der Zusammenarbeit in der eigenen Kommune und mit anderen Kommunen wird durch medienbruchfreie, zeitnahe, unmittelbare Kommunikation und Transaktion erreicht.
  • durch Qualitäts- und Effizienzsteigerung sowie mehr Transparenz auf Grund direkter Bearbeitung im Verwaltungsverfahren und Nutzung gängiger Technologien tritt eine Verbesserung in der Außendarstellung ein.

Die Anwendungsmöglichkeiten erstrecken sich von A (Amt für Bauverwaltung) bis O (Ordnungsamt). Beispiele dafür, welche Aufgaben von welchen Ämtern bzw. Fachbereichen wahrgenommen werden, finden sich in der folgenden Abbildung. Es wird in Ausschnitten aufgezeigt, welche Datenhaltung mit der Wahrnehmung der Aufgaben potenziell verbunden ist. Werden die bisher meist für autarke Anwendungen gespeicherten Daten weiteren Ämtern für Analysezwecke zur Verfügung gestellt, so können sich mittels Vernetzung die oben genannten Wirkungen freier entfalten. Die bisher schon vorgehaltenen Daten können auf ihre querschnittsorientierten Analysemöglichkeiten entsprechend individuell eruiert werden.

Wichtig für die Attraktivitätssteigerung ist die Verzahnung von Sachinformationen mit Bildmaterial und wenn möglich eine Verortung. Fast nebenbei kann sich dann auch eine Konsolidierung der Daten ergeben. Konsolidierung ist hier im positiven Wortsinn von Stabilisierung, Stärkung, Ausbau und Vertiefung zu verstehen. Die Daten werden in nahezu beliebigen Kontexten verankert und erhalten dadurch einen hohen Nutzwert.

Um möglichst große Effekte zu erzielen, müssen Geodaten in allen Bereichen der Verwaltung genutzt werden können, denn sehr viele Prozesse der Verwaltung haben einen Raumbezug (Betreuung der Sozialhilfeempfänger, Ermittlung des Wohnungsbestandes, Vergabe von Kfz-Kennzeichen, Berücksichtigung von Umweltbelangen, Vorbereitung von Bauvorhaben, ...). Zudem sind Entscheidungen leichter zu fällen und dazu noch einfacher breit (horizontal und vertikal über die gesamte Verwaltung hinweg) abzusichern, wenn die Lesbarkeit der Information vereinfacht wird. Dies erreicht man am besten durch die Visualisierung.

Viele der im kommunalen Verwaltungsvollzug erhobenen Daten erreichen die potenziellen Nutzer innerhalb und außerhalb der Verwaltung heute noch nicht, weil sie erst dann einen Wert für Dritte bekommen, wenn ein Geobezug hergestellt ist (so kann zum Beispiel der Frage leichter nachgegangen werden, ob eine Korrelation besteht zwischen Wohnungsfluktuation und Verkehrsaufkommen in der Straße oder Bevölkerungsverteilung nach Alter und der Anzahl freier Kindergartenplätze). Bisher stehen Geodaten nur eingeschränkt zur Verfügung und entfalten nur begrenzten Nutzen.

Einige bislang ungeklärte Fragen lauten: Wie aktiviert man das Potenzial der vielfältigen - vor allem in den Kommunen entstehenden - Geodaten? Wie erreicht man, dass Kommunen und Private die vorhandenen Geodaten nutzen können? Wie stellt man sie am besten zur Verfügung? Die vermutliche Antwort lautet: Mit der Förderung eines nachfrageorientierten Marktes! Ein an der Nachfrage orientierter Markt für Geodaten wird nicht durch die vorhandenen Daten und deren Analysemöglichkeiten bestimmt, sondern dadurch, was die Nutzer an Informationen benötigen. Der Markt lässt sich unterteilen in einen internen Markt (Politik und Verwaltung) und einen externen Markt (Bürger und Wirtschaft). Um Nachfrage zu befriedigen - egal ob von intern oder extern - müssen entsprechende Angebote geschaffen werden. Diese Angebote können aus Produkten bestehen, wie einfach zu bedienenden Analysewerkzeugen oder sachgerecht aufbereiteten Analyseergebnissen. Zu beachten ist dabei, dass

  • verfügbare Geodaten einen Standortfaktor darstellen (wobei das nicht nur für die einzelnen Kommunen gilt, mehr noch für größere Verbünde),
  • die Geodatennutzung in der Kommune insbesondere dann „angekurbelt“ wird, wenn die kommunalen Daten aktiviert (d. h. veröffentlicht, zugänglich), verknüpft, aufbereitet und dann einfach verfügbar sind,
  • unentgeltlich oder zu geringen Entgelten bereitgestellte Geodaten Wertschöpfungsketten erzeugen können, die indirekt zu Einnahmen (z. B. verschiedene Steuern) bei den Kommunen führen (Bsp. neue Mehrwertdienste).

Um dies zu verwirklichen ist GDM erforderlich. Damit erhalten die Organisationseinheiten der Verwaltung und die kommunalen Betriebe ein wirtschaftliches und leistungsfähiges Instrument, das die Durchführung zeitnaher Analysen (z. B. Aussagen zu Flächenverfügbarkeit) ermöglicht oder in Katastrophenfällen die Reaktionszeiten verkürzt. Unternehmen können wirtschaftlicher sein, weil sie zur Auftragsabwicklung benötigte Daten nicht erst erheben bzw. nicht teuer einkaufen müssen, sondern auf die Geodateninfrastruktur der Kommunen zurückgreifen können. Die Dienstleistung für Erhebung und Pflege der Daten wird gegenüber den Kommunen nicht immer zum Erstellungspreis abgerufen, sondern ist preisgünstiger zu beziehen, weil die Kommunen mit ihrer guten Datenlage als Standortvorteil werben wollen und können.

In diesem Bericht werden Wege aufgezeigt, wie mit GDM eine breite Streuung des Wissens erreicht werden kann. GDM hat die Aufgabe, Geodaten für beliebige Fachzusammenhänge verfügbar zu machen. Im Vordergrund steht die offene Verbreitung von individuell benötigten, gut aufbereiteten und zielgerichteten Informationen. Der Bericht schlägt insbesondere ein Rollenkonzept vor, dessen Anwendung und Umsetzung die Zielerreichung erleichtert. Das Rollenkonzept ermöglicht Prozess- und Strukturentscheidungen. Seine Anwendung ist organisatorische Voraussetzung dafür, dass Geodaten in der gesamten Verwaltung und beim Kunden einfach, umfassend und schnell verfügbar gemacht werden können (Nachfrage bedienen!).

Wo Potenziale und Möglichkeiten verborgen sind, will die folgende Abbildung, die unter dem Motto "Wachstum durch Teilen" steht, aufzeigen. Hier werden einige der Module aus der ersten Abbildung, die zur Steigerung der Wertschöpfung einen Beitrag leisten können, visuell in Verbindung zur Aufgabe des GDMs gesetzt. Was die Abbildung nicht zeigt, aber inkludiert ist, das sind die Daten über Straße und Hausnummer für jeden Einwohner - auch im Zusammenhang mit weiter gehenden kommunalen Aufgaben. Über diese Information ist eine weit reichende Vernetzung mit Geobezug sichergestellt.

Verzögerungen beim Aufbau von GDM bergen die Gefahr, dass in der Verwaltung (weitere) Insellösungen entstehen. Ein späteres Zusammenführen dieser Individuallösungen ist mit wesentlich mehr Aufwand verbunden als eine frühzeitige und klare Entscheidung für den Aufbau von GDM.

Der Bericht richtet sich an Kreise, Städte und Gemeinden, die sich bereits mit GDM im Sinne von raumbezogener Informationsverarbeitung befassen und dabei einen Stand erreicht haben, der auf den KGSt-Bericht 12/1994 "Raumbezogene Informationsverarbeitung in Kommunalverwaltungen" aufbaut. Das heißt mindestens:

  • die geographischen Basisdaten sind erhoben und
  • ein Geoinformationssystem ist eingeführt.

Für diejenigen, die sich noch auf dem Weg dahin befinden, empfiehlt sich im ersten Schritt das Studium des o. g. Berichtes.

Nahziel ist, die Fachanwendungen im GIS zu visualisieren.

Die Kommunen, die noch kein GIS eingeführt haben, können heute schon mit geringen Investitionen die Daten, die benötigt werden und von Relevanz sind, "zusammensuchen". Wollen Sie antizipieren, dann sind sie gut beraten, den zweiten Schritt, die Einführung von GDM, konzeptionell mitzudenken.

Die Entscheidung für GDM ist eine strategische, da die positiven Effekte nur bei konsequenter und auf Langfristigkeit angelegter Planung und Umsetzung greifen werden.

 
 

Detail Informationen

Arbeitsergebnisse
KGSt
Steinert, Marion
20040826B0012
Bericht 5/2004
22.08.2004
1708kb