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Kommunale Kostenrechnung – Entwicklungstendenzen und Gestaltungsaspekte (B 6/2004)

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Beschreibung

Im Rahmen eines neuen Haushalts- und Rechnungswesens wird die Kostenrechnung als Bestandteil eines kommunalen Finanzmanagements unverzichtbar. In Abhängigkeit von den örtlichen Gegebenheiten (Größenklasse, Steuerungsbedarf, Transparenz) wird die Darstellung des Haushalts (Planung, Bewirtschaftung, Rechnungslegung) nicht ausschließlich durch die Finanzbuchhaltung (Aufwands-/Ertragsrechnung, Bilanz) sichergestellt werden können.

Der Beschluss der IMK im Abschnitt "Planungsgrundsätze" weist darauf hin, dass die Kosten- und Leistungsrechnung Bestandteil der Haushaltsreform ist. Sie hat demnach zur Aufgabe, eine differenzierte Betrachtung auf der Ebene der Produkte bis hin zu Kostenträgern unter Einbeziehung von Leistungsmengen und Kennzahlen zu ermöglichen, die so auf der Ebene der Produktbereiche und ggf. -gruppen nicht sachgerecht erfolgen kann. Den erforderlichen Differenzierungsgrad soll dabei die Kommune nach ihren örtlichen Bedürfnissen selbst bestimmen. Zudem soll der Einsatz der Kosten- und Leistungsrechnung zur Wirtschaftlichkeitssteuerung erfolgen.

Wirtschaftlichkeitssteuerung erfordert nicht nur eine Transparenz der Kosten, sondern auch der Leistungen. Der gängige Begriff Kosten- und Leistungsrechnung birgt sowohl eine Kostenrechnung als auch eine Leistungsrechnung, die aufeinander abzustimmen sind. Der Schwerpunkt liegt aber sowohl in der wissenschaftlichen Diskussion als auch in der praktischen Anwendung (noch) auf der Kostenbetrachtung. Aus diesem Grund konzentriert sich der vorliegende Bericht ebenfalls auf die Kostenrechnung und die für sie benötigten Leistungsinformationen.

Allerdings unterscheidet sich die Kostenrechnung hinsichtlich ihrer Ausgestaltung und der Verwendung von Kostenrechnungssystemen in den Kommunen sehr stark. Warum dies so ist und welches die wesentlichen Erfolgsfaktoren für die Nutzung der Kostenrechnung in Kommunen sind, hat die KGSt in 2001 gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Controlling und Telekommunikation an der WHU (Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung), Vallendar, untersucht. Neben der Ermittlung des Status Quo der kommunalen Kostenrechnung wurde vor allem verhaltensorientierten Aspekten und ihren Erfolgs- bzw. Misserfolgswirkungen besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Sowohl die Einbindung in ein neues Haushalts- und Rechnungswesen als auch die Untersuchungsergebnisse der KGSt und der WHU erfordern eine Neubestimmung der kommunalen Kostenrechnung.

Der vorliegende Bericht beschreibt diese Ausgangslage und weitere Entwicklungstendenzen wie

  • die Harmonisierung des Rechnungswesens im Hinblick auf die Nutzung eines einheitlichen Rechnungsstoffes anstelle der Trennung in ein internes (für Steuerungszwecke) und externes (für Rechnungslegungszwecke) Rechnungswesen,
  • die "Wiederbelebung" der Vollkostenrechnung als ein Kostenrechnungssystem, das trotz Kritik und beschränkter Aussagefähigkeit zu bestimmten Fragestellungen breite Anwendung findet und Ausgangspunkt für alle anderen Systeme ist, und
  • die "Entfeinerung" der Kostenrechnung, soweit es zu vermeiden gilt, durch einen sehr hohen Detaillierungsgrad Zahlenfriedhöfe vorzuhalten oder durch komplizierte Verrechnungsstrukturen Transparenz eher zu verhindern statt zu fördern.

Der Bericht soll diese Zusammenhänge verdeutlichen und gibt gleichzeitig erste, grundsätzliche Hinweise zur Ausgestaltung einer Kostenrechnung, die diese Aspekte berücksichtigt. Hierzu zählen insbesondere

  • die Orientierung am Informationsbedarf der Entscheidungsträger, die sich nicht in einer einmaligen Aktion erschöpft, sondern laufende Anpassungen und regelmäßigen Kontakt erfordert,
  • die Zukunfts- und Strategieorientierung, wobei hier die Kostenrechnung nur eines von mehreren Instrumenten ist, um auf die Frage eine Antwort zu finden, mit welchen Produkten in welcher Menge und Qualität und durch welchen Leistungsprozess sowie mit welchem Ressourceneinsatz die gewünschte Zielerreichung am besten realisiert werden kann,
  • die Nutzungsorientierung, die stringent ausgehend von der Konzipierung über die laufende Anwendung bis hin zur Überprüfung der Wirtschaftlichkeit der Kostenrechnung erfolgen muss.

Die Neubestimmung der Kostenrechnung ist zusammenfassend durch Rechnungsziele, Ausgestaltung und Nutzungsarten der Rechnung geprägt.

Zur konkreten Umsetzung bedarf es weiter gehender, detaillierter Ausführungen. Diese erfolgen im Rahmen der Überarbeitung bzw. Neufassung des KGSt-Handbuchs Kostenrechnung. Aus diesem Grund erfolgt ein Ausblick auf die wesentlichen Inhalte des Handbuchs.

Mit dem neuen Haushalts- und Rechnungswesen nimmt allerdings die Bedeutung der Leistungsbetrachtung und damit einer Leistungsrechnung zur Wirtschaftlichkeitssteuerung erheblich zu. Hier muss aufgrund der Besonderheiten der kommunalen Leistungen die monetäre und mengenmäßige Darstellung ergänzt werden um eine qualitäts- und wirkungsorientierte Betrachtung. Dazu besteht sicherlich in Zukunft noch ein erheblicher Entwicklungsbedarf.

 
 

Detail Informationen

Arbeitsergebnisse
KGSt
Dott, Beatrice; Fischer, Edmund
20041019B0018
Bericht 6/2004
28.08.2004
279kb