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Produkte auf dem Prüfstand. Die Verfahren zur Produktkritik (B 2/2005)

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Beschreibung

Die KGSt hat sich seit 1974 systematisch mit der Notwendigkeit und den Möglichkeiten der Aufgabenkritik beschäftigt. Leere Kassen waren immer wieder in den letzten 30 Jahren der Anlass, Aufgaben (und damit Ausgaben) auf den Prüfstand zu stellen und zu entscheiden:
  • Müssen wir die Aufgaben erfüllen/wahrnehmen?
  • Können wir sie reduzieren oder wegfallen lassen?
  • Kann es jemand anderes machen?

In den 80er Jahren folgten die Berichte zur Haushaltskonsolidierung.

Beide Verfahren müssen vor dem Hintergrund der Reform des Gemeindehaushaltsrechts mit dem produktorientierten Haushalt und veränderter Konsolidierungserfordernisse einer Dienstleistungskommune zum Verfahren der Produktkritik weiterentwickelt werden.

Produktkritik fragt periodisch oder anlassorientiert - auf jeden Fall aber systematisch - danach, welchen Wirkungsbeitrag bei welchem Ressourceneinsatz ein Produkt, Projekt oder Produktbündel bringt und ob das erzielte Ergebnis in einem angemessenen Verhältnis zum Ressourceneinsatz steht.

Zentrale Fragen bei der Produktkritik sind:

  • Was trägt jedes Produkt dazu bei, die strategischen Ziele zu erreichen?
  • Haben wir im Sinne der vorgenannte Frage die Ressourcen richtig eingesetzt?
  • Sind die existierenden Leistungen die richtigen Produkte, um unsere Ergebnis- und Wirkungsziele zu erreichen? Gibt es andere Produkte, die dies besser könnten? Müssen wir ganz neue Produkte anbieten?
  • Erstellen wir Produkte in der richtigen Qualität? Müssen und können wir sie gemeinsam mit anderen Kommunen besser erstellen? Sind gar andere Institutionen die besseren Produkt-Ersteller?
  • Können wir alle Leistungen noch anbieten? Auf welche sollten wir verzichten?

Wo können wir Standards reduzieren?

Zwei produktkritische Verfahren werden unterschieden:

  • Produktkritik als Routine im Verfahren der Haushaltsplanaufstellung.
  • Produktkritik als Projekt bei besonderen Anlässen.

Bei der Produktkritik müssen Politik und Verwaltung in einen Dialog treten.

Ein produktkritisches Verfahren kann dazu beitragen, die Prioritäten richtig zu setzen und Entscheidungen über die Verteilung von Haushaltsmitteln besser vorzubereiten.

Kern dieses Berichtes ist die Beschreibung eines qualifizierten, aber dennoch einfachen Verfahrens der Produktkritik, das sich auf drei Instrumente stützt:

  • ABC-Analyse zur Identifikation von Analyseschwerpunkten,
  • Wirkungsbeitragsanalyse,
  • Portfoliotechnik zur Visualisierung und Entscheidungsfindung.

Wesentlich für den Erfolg des Verfahrens ist ein moderierter Dialog zwischen den Fachleuten und den politischen Entscheidern.

Die KGSt empfiehlt,

  • mit der Umstellung des Haushalts auf die Produktsystematik die Produktkritik im Haushaltsplanaufstellungsverfahren zu verankern, d. h. in die Aufstellung des Haushalts die systematische Aufbereitung von Informationen über die Beziehung von Produkten zu Zielen mit einer abschließenden Bewertung routinemäßig einfließen zu lassen. Damit es einen nachhaltigen Anreiz bei allen Beteiligten gibt, sich auf das Verfahren einzulassen, wird empfohlen: Die Bereiche bekommen nur dann die Freigabe der Budgets, wenn ein bewertetes Produktportfolio vorliegt, alternative Bereichsstrategien entwickelt sind und damit eine qualifizierte Entscheidung möglich ist.
  • anlassbezogen die Produktkritik als Projekt aufzulegen. Dabei sind die Organisation, der Ablauf und die Beteiligten abhängig vom jeweiligen Anlass und der mit dem produktkritischen Verfahren verfolgten Zielsetzung. Grundsätzlich folgt die Organisation des Verfahrens den Regeln des Projektmanagements.
  • Instrumente und Verfahren der Produktkritik zur Gestaltung eines fachpolitischen Dialogs in der Politik sowie zwischen Politik und Verwaltung zu nutzen.

Beispiele aus Städten bieten unterschiedliche Praxismuster, um die örtliche Umsetzung zu erleichtern.

Den gleichen Zweck verfolgt der parallel erscheinende Mitgliederbericht der Stadt Ahrensburg (Bericht 3/2005). Weitere Mitgliederberichte, mit denen unterschiedliche Vorgehensweisen im praktischen Prozess der Produktkritik dargestellt werden, folgen in Kürze.

 
 

Detail Informationen

Arbeitsergebnisse
KGSt
Burhorn, Gudrun; Reichwein, Alfred
20050722B0018
Bericht 2/2005
19.07.2005
365kb