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Führung auf Probe und Führung auf Zeit im Rahmen des TVöD (B 8/2006)

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Beschreibung

Durch die TVöD-Elemente "Führung auf Probe/Zeit", "Leistungsentgelt" und "leistungsabhängige Bewegungen in den Entgeltstufen" rückt eins der Tabuthemen öffentlicher Verwaltungen ins Bewusstsein vieler Beschäftigter: Die Leistungsdifferenzierung.

Sowohl die Leistungsdifferenzierung als auch die Steigerung der Leistungsmotivation sind notwendige Bestandteile eines zukunftsorientierten Personalmanagements.

Der TVöD soll einen Paradigmenwechsel hin zu mehr Flexibilität, mehr Leistungs- und Erfolgsorientierung und damit auch zu mehr Effektivität und Effizienz in den Kommunal- und Bundesverwaltungen erreichen. Die übergreifenden Ziele sind auch Bestandteile der Philosophie des Neuen Steuerungsmodells und bauen auf bisher erreichten Reformschritten auf.

Führung auf Probe (§ 31 TVöD) und Führung auf Zeit (§ 32 TVöD) bieten im Tarifbereich erstmals eine Alternative zum bisherigen Vorgehen der sofortigen und dauerhaften Übertragung einer Führungsposition. Beide ermöglichen einen flexibleren Personaleinsatz. Sie sollen allerdings unterschiedlichen Zielen dienen.

Führung auf Probe (FaP) soll vordringlich die Personalentwicklung einzelner Beschäftigter verbessern. Sie hat das Ziel, die in Rede stehende Führungsposition bei Bewährung auf Dauer zu übertragen. Damit können also einzelne Beschäftigte im Hinblick auf ihre Eignung als Führungskraft auf dieser Position erprobt werden. Bei der FaP steht die Erprobung der Beschäftigten im Vordergrund; demgemäß ist bei Ablauf des Zeitraums eine Entscheidung über den Ausgang der Erprobung, also eine Feststellung über die (Nicht-)Bewährung auf der Position, zu treffen.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die KGSt, zur Leistungsbeurteilung bzw. -bewertung im Rahmen der Führung auf Probe ein Beurteilungssystem anzuwenden, das die Erfahrungen mit der Regelbeurteilung positiv nutzt und gleichzeitig langfristig für die gesamte Mitarbeiterschaft eingesetzt werden kann.

Führung auf Zeit (FaZ) soll dagegen die aus Sicht des Arbeitgebers passgenaue Besetzung von Führungspositionen und damit auch die von vornherein ausdrücklich befristete Übertragung an eine bestimmte Person ermöglichen. Bei der FaZ wird bereits bei der Übertragung der Führungsposition davon ausgegangen, dass dies - völlig unabhängig von dem "Erfolg" oder der Bewährung auf der Führungsposition - nur auf bestimmte Zeit geschieht. Danach richten sich auch die vorgesehenen Folgen für den Zeitpunkt des Ablaufs der Befristung:

Für FaP und FaZ haben die Tarifpartner lediglich Vorgaben zum Einsatz selbst, nicht aber zur Entscheidung, ob und wann die Instrumente überhaupt eingesetzt werden sollen, gemacht.

Damit kann jede Kommune grundsätzlich autark über die Nutzung der beiden Möglichkeiten entscheiden. Seit Inkrafttreten des TVöD am 01.10.2005 können beide Instrumente eingesetzt werden.

Sie sind allerdings nur für Führungspositionen ab der Entgeltgruppe 10 anwendbar. Die Zulagen für FaP und FaZ sind als Bestandteil der regelmäßigen Vergütung zu zahlen.

Durch FaP und FaZ gilt das Motto "einmal Führungskraft - immer Führungskraft" nicht mehr uneingeschränkt.

Wie schon bei den TVöD-Elementen "leistungsorientierte Entgeltbestandteile" und "leistungsabhängige Bewegungen in den Entgeltstufen" erfolgt auch beim Thema "Führung auf Probe/Zeit" aufgrund der Komplexität des Sachverhalts die Erarbeitung durch die KGSt in zwei Phasen:

Die erste Phase besteht darin, in drei parallel erstellten Berichten verschiedene Optionen zur methodischen Einführung dieser Elemente zu erarbeiten, um den Kommunalverwaltungen Zeit zu geben, die Leistungsentgelte pünktlich zum Beginn des Jahres 2007 einzuführen und die Nutzung der anderen beiden Elemente des TVöD "leistungsorientierte Bewegung in den Entgeltstufen" und "Führung auf Probe/Zeit" sinnvoll vorzubereiten.

Die Empfehlungen zeigen also zunächst erste Weichenstellungen auf, um einen pragmatischen Einstieg zu ermöglichen.

Die zweite Phase konkretisiert die bereits erfolgten Empfehlungen auf der Basis der Umsetzungserfahrungen in den Kommunen. Der Abschluss dieser Phase hängt davon ab, wie schnell "Führung auf Probe und/oder Führung auf Zeit" von den Kommunen aufgegriffen werden. Die KGSt bietet den Kommunen eine enge Begleitung im gesamten Einführungs- und Umsetzungsprozess an. Darüber hinaus wird sie die Kommunen durch weitere detaillierte Arbeitsergebnisse kontinuierlich unterstützen.

Die ersten beiden Berichte "Leistungsorientierte Entgeltbestandteile im TVöD: Erste Empfehlungen" (2/2006) und "Leistungsorientierte Bewegungen in den Entgeltstufen im TVöD: Erste Empfehlungen" (3/2006) sind bereits erschienen. Das dritte Produkt dieser ersten Phase liegt mit diesem Bericht vor.

 
 

Detail Informationen

Arbeitsergebnisse
KGSt
Holzrichter, Elke R.; Weisel, Katja
20060912B002A
Bericht 8/2006
11.09.2006
368kb