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Management des demografischen Wandels. Strategie und Organisation (B 1/2009)

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Beschreibung

Der demografische Wandel zählt auf absehbare Zeit zu den großen Herausforderungen für die Kommunen in Deutschland, Österreich und der  Schweiz. Der demografische Wandel ist ein komplexes sozio-kulturelles  Phänomen, das sich in unterschiedlichen Dimensionen ausdrückt, z. B. durch
  • die Verringerung der Zahl der Menschen,
  • die Zunahme des Alters der Menschen,
  • einen zunehmenden Anteil von zugewanderten Menschen und ihrer Nachkommen an der Bevölkerung sowie
  • eine Heterogenisierung und Vereinzelung in der Gesellschaft.

In den Kommunen zeigen die demografischen Veränderungen Wirkungen in sehr vielen Bereichen, insofern kann man von einem Megatrend sprechen. Die Effekte des demografischen Wandels stellen sich zeitlich wie regional sehr unterschiedlich ein, das heißt, es gibt sowohl schrumpfende wie stagnierende oder wachsende Kommunen in den nächsten 20 Jahren. In nahezu allen Kommunen wird sich aber das Durchschnittsalter der Menschen erhöhen. Auch die Effekte aus der Zuwanderung treten unterschiedlich auf, in manchen Kommunen beträgt der Anteil der Menschen mit  Migrationshintergrund 3 %, in anderen 30 % und mehr der Gesamtbevölkerung. Daraus folgt, dass sich jede Kommune mit dem demografischen Wandel in seiner konkreten lokalen oder regionalen Ausprägung beschäftigen sollte.

Die Daten zur demografischen Entwicklung liegen inzwischen in unterschiedlicher Güte vor. Sowohl das Statistische Bundesamt wie auch die Statistischen Landesämter bieten Daten (Bestand und Prognose) an. Unzureichend ist häufig der Bezug zum Sozialraum, da sich auch innerhalb von Städten und Kreisen die Effekte des demografischen Wandels durchaus unterschiedlich verteilen können.

Die Gestaltung des demografischen Wandels und seiner Folgen ist eine kommunale Daueraufgabe, die Zeit und Ressourcen kostet, jedoch mittel- und langfristig gesehen eine Investition in die Zukunft darstellt, wenn es gelingt, die Chancen und Potenziale im Wandel zu entdecken und zu heben. Dazu müssen zum einen die Folgen des demografischen Wandels erkannt und bewältigt werden. Hierzu ist eine strategische Ausrichtung einer Reihe von Handlungsfeldern (z. B. Wohnen, Gesundheit, Bildung) vordringlich. Die strategische Ausrichtung gelingt nur, wenn die örtlichen Entwicklungsziele benannt werden. Zum anderen kann die demografische Entwicklung selbst beeinflusst werden, z. B. indem Zuwanderung unterstützt oder Fortzug reduziert wird (Attraktivitätspolitik).

Grundsätzlich lassen sich daraus für Kommunen drei Herausforderungen ableiten:

  1. Es müssen, um die notwendigen Veränderungen nachhaltig und wirksam einzuleiten, qualifizierte Planungs- und Umsetzungsprozesse strategisch angelegt und gesteuert werden (Aufgabe strategische Planung und Steuerung).
  2. Es besteht die Notwendigkeit, die Produkte der Kommune den veränderten Bedarfen anzupassen und innovative Lösungen für kommunale Infrastrukturleistungen zu entwickeln und umzusetzen (Aufgabe Marketing und Infrastrukturmanagement).
  3. Wegen der tief greifenden Veränderungen in den gesellschaftlichen Strukturen und Werten bedarf es des öffentlichen Diskurses und der Einbindung der Bürger in die Entwicklung neuer Teilhabeangebote und Verantwortungsrollen (Aufgabe Bürgerengagement).
Komplexe Themen, die eine langfristige Beschäftigung vieler Akteure in Verwaltung, Politik und der Stadtgesellschaft verlangen, brauchen strategische Steuerung. Die KGSt empfiehlt deshalb die Anwendung des strategischen Managements und damit einen strategischen Prozess, bestehend aus
  • Analyse der Ausgangssituation,
  • Definition von Zielen und strategischen Handlungsfeldern,
  • Maßnahmenplanung und Durchführung,
  • Controlling und Evaluation auf der Basis eines Demografie-Monitoring.

Erfolgreicher Umgang mit dem demografischen Wandel setzt sowohl die Entwicklung und Umsetzung fachlich-inhaltlicher Handlungsprogramme als auch managementfeldbezogenes Handeln voraus. Das kommunale Management hat sich aus den Perspektiven Organisations-, Personal-, Informations- und Finanzmanagement mit dem demografischen Wandel proaktiv und nachhaltig zu beschäftigen und die Perspektiven zu einer integrierten strategischen Steuerung zusammenzuführen. Konkrete Handlungsansätze werden im Bericht genannt.

Im Anhang sind einzelne Praxisbeispiele sowohl zu ganzheitlichen Veränderungsstrategien wie auch zu einzelnen Instrumenten im Prozess des Wandels dargestellt.

Einige wesentliche Fragen für den Verwaltungschef zur Standortbestimmung (Beispiele):

  • Sind für Ihre Kommune (kleinräumige) Bevölkerungsprognosen oder Indikatoren für ein Demografiemonitoring vorhanden?
  • Haben Sie strategische Ziele zur Gestaltung des demografischen Wandels in Ihrer Kommune gemeinsam mit Bürgern und Politik entwickelt und z. B. im Leitbild Ihrer Kommune festgelegt?
  • Haben Sie einen Diskussionsprozess in der Stadtgesellschaft über die veränderten Werthaltungen und Einstellungen zum Alter und die Potenziale aus dem demografischen Wandel eingeleitet?
  • Haben Sie die Zuständigkeit für das Demografiemanagement im Sinne einer zentralen Koordination in der Verwaltung verortet?
  • Haben Sie in Ihre Entscheidungsvorlagen Hinweise auf demografierelevante finanzielle Konsequenzen oder einen Nachhaltigkeits-Check eingebaut?
  • Sind in Ihrem Berichtswesen Aussagen zu Kosten und Ergebnissen demografieorientierter Maßnahmen vorhanden?
 
 

Detail Informationen

Arbeitsergebnisse
KGSt
Reichwein, Dr. Alfred; Trauth-Koschnick, Martina
20090429A001A
Bericht 1/2009
13.04.2009
1129kb