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Förderung der psychischen Gesundheit – Teil 1. Strategischer Prozess (9/2015)

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Beschreibung

Obgleich immer mehr Kommunen ein betriebliches Gesundheitsmanagement einführen, befassen sich bislang relativ wenige mit der Förderung der psychischen Gesundheit.

Psychische Erkrankungen waren 2013 nach Muskel-Skelett- und Atemwegserkrankungen der dritthäufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit. Jeder siebte Ausfalltag ist psychisch bedingt. Wenn Menschen psychisch krank werden, fehlen sie pro Krankschreibungsfall im Durchschnitt 34,5 Tage. Damit verursachen psychische Erkrankungen im Vergleich zu anderen Erkrankungen die längsten Fehlzeiten und die höchsten Kosten.

Der Gesetzgeber hat auf diese Entwicklung reagiert, indem er am 25. Oktober 2013 den Begriff "Psychische Belastungen" in das Arbeitsschutzgesetz aufgenommen hat. Das hat konkrete Auswirkungen: Jeder Arbeitgeber muss sich nicht nur generell mit dem Thema auseinander setzen, sondern darüber hinaus muss er psychische Belastungsfaktoren in die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung einbeziehen.

In der Gefährdungsbeurteilung werden die Belastungen am Arbeitsplatz erfasst, also z. B. Zeitdruck, Arbeitsunterbrechungen etc. Erfasst wird nicht, in welchem Ausmaß der Einzelne sich dadurch beansprucht fühlt. Um auch das herauszufinden, werden in einigen Kommunen bereits weitere Analyse- und Befragungsinstrumente eingesetzt.

Die nicht selten schnell gefundene Formel "Je mehr Arbeit, je mehr Stress, desto mehr psychische Erkrankungen" ist allerdings so nicht zutreffend. Denn der Zusammenhang zwischen psychischen Störungen und Arbeitsplatzfaktoren ist so komplex, dass einfache "Wenn - dann-Ableitungen" nicht weiterhelfen. Belastungen aus dem Arbeitsleben werden individuell wahrgenommen. Was für den einen Menschen negativen Stress bedeutet, kann für den anderen eine spannende Herausforderung sein.

Der Begriff "psychische Erkrankung" umfasst verschiedene Krankheitsbilder mit unterschiedlichen Schweregraden. Wesentlich für psychische Erkrankungen sind erhebliche Normabweichungen im Erleben und Verhalten. Die häufigsten psychischen Erkrankungen sind Angststörungen, Depressionen und Suchterkrankungen. Das Burnout-Erschöpfungssyndrom gehört nicht zu den psychischen Erkrankungen.

Durch die Aufnahme der psychischen Belastungen in das Arbeitsschutzgesetz hat der Gesetzgeber deutlich gemacht, dass der Prävention zur Förderung der psychischen Gesundheit deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Die Prävention muss im Rahmen der Personal- und Organisationsentwicklung, als Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements, die Stellschrauben zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit nutzen.

Dazu gehören:

  • die Gestaltung von Arbeitsprozessen,
  • eine wertschätzende Unternehmenskultur und
  • ein gesundheitsförderndes Führungsverhalten.
Die KGSt hat zwei Berichte zum Thema Förderung der psychischen Gesundheit erarbeitet.

Dieser erste Bericht versteht sich als Grundlagenbericht (Teil 1), der den strategischen Prozess darstellt. Er zeigt auf,

  • welche Stellschrauben Kommunen haben, um die psychische Gesundheit ihrer Beschäftigten positiv zu beeinflussen,
  • wie der Prozess aussehen muss, um das Thema psychische Gesundheit in das betriebliche Gesundheitsmanagement zu integrieren und
  • wer in den Verwaltungen wofür verantwortlich ist. 

Der zweite KGSt-Bericht zur Förderung der psychischen Gesundheit (Teil 2)

  • stellt ausführlich dar, was eine Gefährdungsbeurteilung ist und wie sie durchgeführt werden kann,
  • erläutert Vor- und Nachteile unterschiedlicher Analyseverfahren,
  • beschreibt eine Fülle an kommunalen Praxisbeispielen und
  • benennt Erfolgsfaktoren für die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen.
 
 

Detail Informationen

Arbeitsergebnisse
KGSt
Holzrichter, Elke
20150728A0017
Bericht 9/2015
26.07.2015
910kb