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Modernisierung einer Großstadtverwaltung. Das Beispiel Mannheim (5/2016)

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Beschreibung

Die Stadt Mannheim begann im Jahr 2007 einen umfassenden Veränderungsprozess zur Entwicklung der Stadt und zur Modernisierung der Stadtverwaltung. Der damals frisch gewählte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz initiierte das Vorhaben und führte es an. Die Vision war, bis zum Jahr 2013 eine der modernsten Verwaltungen in Deutschland zu werden.

"CHANGE2 - Wandel im Quadrat" war der Titel. Nach einer Bestandsaufnahme mit einer Stärken-Schwächen-Analyse für die Stadt und die Stadtverwaltung wurden zwei Oberziele identifiziert. Das Verwaltungshandeln sollte sich mehr an Zielen und an messbaren Wirkungen orientieren und einem ganzheitlichen, strategischen Ansatz folgen. Die Organisationskultur und die Führung sollten dies unterstützen, weg von Hierarchie und Spartendenken hin zu einer Kultur des "Gemeinsam mehr Bewirkens".

Der CHANGE2-Prozess wurde mit einem 36 Einzelprojekte umfassenden Masterplan gestartet. Aus einem der ersten Projekte wurde 2009 eine Gesamtstrategie erarbeitet, die aus sieben strategischen Zielen (in 2015 wurde ein achtes Ziel hinzugefügt) und dem Zentralziel einer "wachsenden, vielgestaltigen, toleranten und bunten Stadt" bestand. Eine Projektorganisation wurde aufgebaut mit einer "Fachstelle Verwaltungsarchitektur" als internem "Change Agent", die über mehrere für das Projekt frei gestellte Beschäftigte verfügte. Auch andere Projekte wurden zügig umgesetzt, z. B. wurden Ämter umstrukturiert und eine neue Organisationseinheit "Strategische Steuerung" aufgebaut, die alle wichtigen Planungs- und Steuerungsprozesse der Stadt bündeln und den Strategiebezug sicherstellen sollte.

Weitere wichtige Wegmarken des CHANGE2-Prozesses waren der Aufbau eines Systems von Zielen und Kennzahlen für jeden Fachbereich und die Entwicklung von Leitlinien für Führung, Kommunikation und Zusammenarbeit. Zur Erfolgskontrolle wurden in regelmäßigen Abständen Mitarbeiterbefragungen durchgeführt. Durch die Einrichtung eines "Kompetenzzentrums Managemententwicklung" sollte die Auswahl und Qualifizierung von Führungskräften und die Entwicklung der Arbeitgebermarke der Stadt Mannheim zusätzlich unterstützt werden.

Auch die Kosten und Wirkungen von CHANGE² sind erhoben und dokumentiert worden. Der Aufwand, extern wie intern, für die Modernisierungsprojekte machte einen Anteil von 0,18 % des durchschnittlichen jährlichen Gesamthaushalts der Stadt aus.

Dieser Bericht beschreibt den umfassenden Veränderungsprozess aus der Perspektive des Jahres 2015. Er stellt keine Evaluation dar. Das Projekt ist sehr gründlich dokumentiert und von der Verwaltungshochschule in Speyer extern evaluiert worden. Nahezu alle Quellen sind öffentlich zugänglich. Der Abschlussbericht liest sich wie ein Handbuch zum Changemanagement. Deshalb konnte auf viele Quellen und Zitate zurückgegriffen werden.

Als Ergebnis aus den Dokumentationen und Gesprächen mit den Mannheimer Akteuren zeigt sich ein gelungener Reformprozess, insbesondere in Bezug auf

  • Arbeit mit Zielen
  • Messung von Wirkung
  • Entwicklung von Führungskompetenz und
  • Beteiligung von Mitarbeitern.

Der CHANGE2-Prozess hat weitgehend funktioniert. Vieles hat sich verändert, strukturell, instrumentell, personell und teilweise auch kulturell. Es zeigt sich jedoch, dass über den Abschluss verschiedener Projekte hinaus die Kulturveränderung die größte Herausforderung bleibt. Veränderungen müssen immer sowohl von der Stadtspitze als auch von den Mitarbeitern mitgetragen werden. Hier hat der Oberbürgermeister der Stadt Mannheim eine wesentliche Verantwortung, damit neue Themen bzw. Veränderungen nicht nur abgearbeitet, sondern angenommen und proaktiv in das Alltagshandeln integriert werden. Auch die Aktivierung der Führungskräfte für den Veränderungsprozess bleibt eine herausfordernde Aufgabe. Oder, wie es die Vorsitzende des Gesamtpersonalrats, die eine sehr aktiv-gestaltende Rolle in CHANGE² hatte, formuliert: "Die Grundlagen sind gelegt, sie müssen ‚nur‘ gelebt werden."

Es bleibt abzuwarten, ob eine Verwaltung, die solch ein "Fitnessprogramm" absolviert hat, aktuelle Herausforderungen besser bewältigen kann. CHANGE² ist nicht zuletzt ein Projekt, von dem Kommunen viel lernen können. Dazu leistet dieser Bericht einen Beitrag.

 
 

Detail Informationen

Arbeitsergebnisse
KGSt
Reichwein, Alfred; Holzrichter, Elke R.
20161025A0011
Bericht 5/2016
23.10.2016
2332kb