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"Wir müssen Nachhaltigkeit ins unser tägliches Handeln integrieren."
Franz Meyer, Botschafter für kommunale Entwicklungspolitik und Landrat des Landkreises Passau a.D., im Gespräch

 Franz Meyer, Landrat des Landkreises Passau a.D. Franz Meyer, Landrat des Landkreises Passau a.D.

Der Landkreis Passau engagiert sich schon lange für mehr Nachhaltigkeit. 2019 verabschiedete er als einer der ersten deutschen Landkreise eine Nachhaltigkeitsstrategie. Warum ist Nachhaltigkeit für den Landkreis so wichtig?

Den meisten Bürgerinnen und Bürgern hier ist seit Langem klar: Die Herausforderungen in Deutschland sind eng mit globalen Problemen wie dem Klimawandel verbunden. Ein Landkreis mit seiner Bevölkerung kann viel für eine nachhaltige Entwicklung tun – und zwar dort, wo er auch tatsächlich Einfluss hat und ihm Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Im Landkreis Passau ist Nachhaltigkeit schon lange ein wichtiger Orientierungspunkt: Bereits im Jahr 2000 richtete er im Landratsamt einen Fachbereich und eine Koordinationsstelle für Umweltberatung und 2011 dann auch für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien ein. Und seit 2001 ist der Landkreis Mitglied im Klimabündnis. Damals wie heute begreifen wir Nachhaltigkeit als konservativen Begriff, der ja ursprünglich aus der Land- und Forstwirtschaft kommt und für ein langfristiges Denken steht. Für den Landkreis Passau war es daher 2017 ein logischer Schritt, die eine Nachhaltigkeitsstrategie im Kontext der Agenda 2030 der Vereinten Nationen zu erarbeiten.

Wie muss man sich die Nachhaltigkeitsstrategie konkret vorstellen?

Die Agenda 2030 enthält 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) und der Landkreis legte fest, dass er sich sechs SDGs besonders widmen wird: bezahlbare und saubere Energie (SDG 7), nachhaltige Städte und Gemeinden (SDG 11), nachhaltiger Konsum und Produktion (SDG 12), Maßnahmen zum Klimaschutz (SDG 13), Leben an Land (SDG 15) und Partnerschaften zur Erreichung der Ziele (SDG 17).

Der Aktionsplan der Nachhaltigkeitsstrategie enthält über 50 Aktivitäten. Sie reichen von der CO2-Einsparung durch die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien bis zu niederschwelligen Begegnungsmöglichkeiten zwischen Menschen aus dem globalen Süden und Norden etwa bei interkulturellen Festen oder bei einem regelmäßigen fairen Frühstück.

Ist die Strategie in erster Linie ein Produkt der Verwaltung?

Nein, ganz im Gegenteil. Wir luden die gesamte Gesellschaft ein, die Strategie mit zu entwickeln – Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Eine-Welt-Gruppen, die lokale Wirtschaft und viele mehr. In Arbeitsgruppen, Workshops und Konferenzen wurde ausführlich und leidenschaftlich diskutiert, um schließlich an den Umweltausschuss eine einstimmige Empfehlung zu geben.

Von der Bestandsaufnahme bis zur fertigen Strategie dauerte es etwa eineinhalb Jahre. Dabei unterstützte uns die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global fachlich und finanziell mit Fördermitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das war eine große Hilfe!

Wie bewerten Sie das Engagement von Städten und Gemeinden im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie?

Alle Akteure auf kommunaler Ebene müssen zusammenarbeiten, um die SDGs lokal zu erreichen. Das gilt insbesondere für die Städte und Gemeinden, von denen die Kreise ein Engagement einfordern sollten. Wichtig ist dabei, jedes noch so kleine Engagement als Teil der großen politischen Aufgabe für mehr Nachhaltigkeit wertzuschätzen. Sich für mehr Nachhaltigkeit zu engagieren, kostet anfangs Zeit und Energie und bindet Ressourcen. Langfristig zahlt es sich aber aus und wir kommen so unserer Verantwortung gegenüber unseren Nachkommen ein wenig mehr nach.