Webcontent-Anzeige

Express-Digitalisierung im Krisenmodus:

Wird dadurch die Verwaltung digital?!

Creative Bureaucracy Festival 2020

Befindet sich die Verwaltung durch Corona in einer Express-Digitalisierung? Um diese Frage ging es am 28. September auf dem Creative Bureaucracy Festival 2020.

Ernst Bürger (Leiter der Abteilung Digitale Verwaltung; Steuerung OZG im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat), Heike Raab (Bevollmächtigte des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und für Europa, Medien und Digitales als Staatssekretärin in der Staatskanzlei) und KGSt- Programmbereichsleiter Marc Groß diskutierten über das Thema in einer Live-Übertragung.

Eine spannende Diskussion, denn die Corona-Krise stellt uns vor ungeahnte Herausforderungen und zeigt vor allem eins: Digitalisierung ist nicht nur "nice to have", sondern ein zentraler Bestandteil eines funktionsfähigen Staats.

Die Verwaltung muss jetzt digital werden – und das möglichst schnell. Bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) hat COVID-19 rasches Handeln erfordert – krisen- und gesundheitsrelevante Leistungen wurden priorisiert und die Impulse des Krisenmodus genutzt, um Digitalisierungsprojekte in verstärkter Zusammenarbeit über Behörden- und Landesgrenzen hinweg zu beschleunigen.

So wurde z.B. in einem Express-Digitalisierungslabor in nur 36 Tagen ein Online-Verfahren für Lohnerstattung aufgrund von Quarantäne oder Schul-/Kitaschließung entwickelt und im Eilverfahren wurden die Anträge für Corona Überbrückungshilfen digitalisiert.

Zusätzliche Finanzmittel aus dem Konjunkturpaket geben der OZG-Umsetzung noch stärkeren Rückenwind. Wird die Verwaltung durch Corona jetzt also digital?

Diese positiven Entwicklungen präsentiert Ernst Bürger in einem kurzen Vortrag und zeigte, wie die Corona-Zeit als "unfreiwillige Chance" genutzt und die Verwaltungsdigitalisierung beschleunigt wird. Danach diskutierten die Beteiligten über kreative Digital-Maßnahmen, die in der Krise ergriffen wurden, über ihre Visionen für die digitale Verwaltung und darüber, wie aus den OZG-Leuchtturmprojekten jetzt flächendeckende Lösungen werden.

Einzelne Statements von Marc Groß im Überblick:

  1. Die Corona-Zeit hat unsere Arbeit im Frühjahr völlig auf den Kopf gestellt – auf einmal waren wir alle im Homeoffice und die "digitale Verwaltung" musste funktionieren. Sind Ihnen besonders kreative Maßnahmen bekannt, wie man in der Behördenlandschaft die Ad hoc-Digitalisierung gemeistert hat?

    "Das mit der Kreativität" ist ja immer so eine Sache. "Viele" Kommunen sind bereits gut aufgestellt. Dort waren weniger kreative Maßnahmen erforderlich, sondern der Umstand, nur digital wirklich arbeitsfähig zu sein, hat zu den Erfolgen geführt. Absolut positiv zu bewerten – ob kreativ oder nicht – war aber die Flexibilität, die viele Kommunen und ihre IT-Dienstleister beim Thema Home Office an den Tag gelegt haben: "PC unter den Arm, ab nach Hause und da weiterarbeiten". Gute Beispiele für schnelle/kurzfristige Projekte sind natürlich auch die Corona-WarnApp oder der Corona-Chatbot. Wichtig ist aber, bei aller Begeisterung für die Ad Hoc-Digitalisierung, die Nutzerzentrierung nicht aus den Augen zu verlieren. Lieber zwei gute nutzerzentrierte Umsetzungsprojekte als fünf Projekte ohne die Nutzerinnen und Nutzer im Blick zu haben. Würde man es "unterm Strich" auf den Punkt bringen, lässt sich aber sagen, dass das größte Kreativitäts- und Innovationspotenzial in der Umsetzung ohne große, zeitaufwendige Diskussionen lag: In der Not gilt kein Gebot – war sprichwörtlich das Gebot der Stunde.
     
  2. Wir haben viele Digitalisierungs-Leuchtturmprojekte. Wie schaffen wir es, diese in die Fläche und für alle Bürgerinnen, Bürger, Behördenangestellte, Unternehmen zugänglich zu machen?

    Was ist die originäre Aufgabe von Leuchttürmen? Sie sollen Schiffe sicher ans Land führen! Nehmen wir das Bild mal auf. Viele Kommunen suchen Orientierung und Hilfestellungen in der OZG-Umsetzung. Leuchtturm-Projekte aus den Innovationslaboren, bzw. aus der kommunalen Praxis sollen hinsichtlich ihrer Roll-Out-Fähigkeit überprüft werden. Dies gelingt nur mit Standards. Und da kann z. B. das Föderale Informationsmanagement (FIM) helfen, wenn es allen Beteiligten ernst ist! Außerdem braucht es auch ein eine intensivere Zusammenarbeit im Ökosystem Digitale Kommune, gerade auf regionaler Ebene. Insbesondere, wenn es um die Übertragung/Übersetzung von OZG-Referenzprozessen auf örtliche Gegebenheiten geht.
     
  3. Was ist Ihre Vision für eine digitale Verwaltung? Wo stehen wir Ende 2022? Wo stehen wir vielleicht in 10 Jahren?

    In 10 Jahren stellen Bund, Länder und Kommunen- Zentren Lösungen für den gesamten öffentlichen Dienst zur Verfügung. Dabei ist es völlig egal, welche Ebene gerade die Verantwortung trägt. Außerdem werden sämtliche ordnungsbehördlich relevanten Leistungen nur noch digital angeboten. Die Mitarbeitenden in den Verwaltungen kümmern sich dann also weniger um Genehmigungen, Erlasse und Bescheide und deutlich mehr um Themen, die die Menschen in der örtlichen Gemeinschaft wirklich bewegen und die Lebens- und Standortqualität im Sinne der Daseinsvorsorge betreffen.
Webcontent-Anzeige
Bildnachweis Megafon – Aktuelles © Zerbor Adobe.Stock