Webcontent-Anzeige

KGSt®-FORUM 2017

 

 

Die Denkrichtung FÜHRUNG. DENKEN.

Zur Führung von Kommunalverwaltungen gehört nicht nur die unmittelbare Personalführung der "eigenen" Mitarbeiter, sondern auch das Verhalten innerhalb der gesamten Verwaltung und innerhalb der örtlichen Gemeinschaft. Die Aufgabe kommunaler Führungskräfte besteht darin, "ihre" Kommune zu gestalten, zu entwickeln und zu steuern.

Führung in einer Kommune geschieht immer im Spannungsfeld zwischen der Verantwortung für die zu erzielenden Ergebnisse, der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und der Verantwortung für die kommunale Selbstverwaltung insgesamt. Dieses Spannungsfeld wird häufig als Führungsdilemmata bezeichnet. Um gleichwohl in Führungssituationen so angemessen und zielgerichtet wie möglich zu agieren, ist es hilfreich, sich auf Verhaltensprinzipien zu beziehen, die sich aus übergreifenden, allgemeingültigen Werten ableiten.

Werte sind Orientierungsgrößen menschlichen Handelns. Sie bezeichnen eine innere Haltung, die auf einem ethischen Grundverständnis basiert. Die Ziele der öffentlichen Verwaltung - auf der Basis der Gemeinwohlorientierung - Stabilität, Verlässlichkeit und Willkürfreiheit zu gewährleisten, zeigen das. Daraus abgeleitet sind In der kommunalen Selbstverwaltung Gemeinsinn, Nachhaltigkeit, Chancengleichheit und Solidarität herausragende Werte. Deshalb sprechen wir von "werteorientierter Führung": Gemeint ist eine Führung, die geprägt ist von einem ethischen, wertschöpfenden und gemeinwohlorientierten Verhalten.

Da die Orientierung an diesen Werten zwar eine notwendige Basis, aber noch keine ausreichende Handlungsunterstützung für Führungskräfte ist, müssen die Werte in Verhaltensprinzipien übersetzt werden. Verhaltensprinzipien sind ebenfalls Orientierungsgrößen menschlichen Handelns. Während allerdings Werte eine Allgemeingültigkeit für alle Menschen haben sollten, beschreiben Verhaltensprinzipien konkreter ein gewünschtes Verhalten, das unter bestimmten Voraussetzungen in spezifischen Situationen angewandt werden sollte. Verhaltensprinzipien, die für Führungskräfte in Kommunalverwaltungen wesentlich sind, sind vor allem Verantwortung, Loyalität, Vertrauen, Respekt, Toleranz und Transparenz.

Die Schlüsselkompetenzen, die Führungskräfte benötigen, um in diesem Sinne zu handeln, sind anspruchsvoller und vielfältiger geworden. Wir empfehlen zusätzlich zu den bislang gängigen Kompetenzbereichen (persönliche, soziale, methodische und fachliche Kompetenzen) die folgenden Schlüsselkompetenzen hinzuzufügen: Ethische Kompetenz, strategische Kompetenz, Führungskompetenz, Personalentwicklungskompetenz, Diversity Kompetenz und digitale Kompetenz.

Die Auswahl dieser Kompetenzbereiche macht auch deutlich, dass Mitarbeiter als Mitgestalter gesehen werden. Dies geschieht z. B., indem Führungskräfte ergebnisorientiert agieren und deshalb ihren Mitarbeitern zum einen Freiräume für die Selbstorganisation ermöglichen und zum anderen Ziele mit ihnen vereinbaren. Mit zunehmender Komplexität kommunaler Aufgaben in Verbindung mit einer rasant fortschreitenden Digitalisierung aller Arbeits- und Lebensbereiche wird in der Managementliteratur das Stichwort "Agilität" diskutiert. Für Wirtschaftswissenschaftler bezeichnet Agilität die Fähigkeit einer Organisation, flexibel und pro-aktiv zu handeln und anpassungsfähig zu sein. Darauf aufbauend werden Begriffe wie "Laterales Führen", oder "Führen in Netzwerken" diskutiert und erprobt. Beide Begriffe sind höchst vage. Der Kern besagt, dass Führen auf Vertrauen und Verständigung beruht und danach strebt, durch die Entwicklung eines gemeinsamen "Denkrahmens" die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten zu einer gemeinsamen Lösung zu führen. Bis hierhin passen diese Denkansätze auch zu einer werteorientierten Führung in Kommunalverwaltungen. Was hingegen nicht anschlussfähig ist, ist das Ziel, das manche als die höchste Stufe der lateralen Führung verstehen, nämlich die Abschaffung der Weisungsbefugnisse.

Gleichwohl hilft die Auseinandersetzung mit diesen Denkrichtungen. Denn: In krisenhaften Situationen wie z. B. im Herbst 2015, als aus dem Stand heraus eine hohe Zahl an Zuwanderern in Kommunen eine Zuflucht brauchten, zeigte sich, dass bewährte Führungsmethoden und Arbeitsprozesse nur bedingt griffen. So war es auf der einen Seite notwendig, in einer klaren Hierarchie Anweisungen zu geben, die sofort umgesetzt werden mussten und auf der anderen Seite entstanden nur dann schnelle, kreative Lösungen, wenn die betreffenden Mitarbeiter mit einer größtmöglichen Eigenständigkeit agieren konnten. Hierbei war es wesentlich, dass die Führungskräfte eine Richtung vorgaben und die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellten.

Auch die Diskussion um "laterale Führung" zeigt, dass sich Führung zu allen Zeiten immer wieder neu erfunden hat und dies auch weiter tun wird. Sie wird in Abhängigkeit von der jeweiligen Herausforderung immer flexibler sein müssen, bleibt aber im Kern Führung.

Webcontent-Anzeige
Bildnachweis: Header-Grafik © Markus Wortmann