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Interview mit Bernd Kettenburg

Erster Stadtrat der Stadt Achim und Projektleiter des Prozesses

KGSt: Wer hatte die Idee für dieses Vorhaben?

Bernd Kettenburg: Der Gedanke, ein Leitbild für die künftige Entwicklung der Stadt Achim unter breiter Beteiligung der Bürgerschaft zu erarbeiten, wurde erstmals im Januar 2006 von einer "politischen Zukunftswerkstatt" erdacht, aber mangels Ressourcen dann nicht konsequent weitverfolgt.

Nachdem der Gedanke in unterschiedlichen politischen Anträgen, insbesondere der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Achim, in den folgenden Jahren wiederholt wurde, hat der Rat die Verwaltung am 20. März 2014 einstimmig und verbindlich beauftragt, ein Leitbild für die Stadt Achim zu erarbeiten.

Erst durch die Einbindung der professionellen Unterstützung seitens der KGSt konnte der Leitbildprozess letztlich erfolgreich aufgelegt und durchgeführt werden.

KGSt: Wen haben Sie im Prozess beteiligt?

Bernd Kettenburg: Im Auftragsbeschluss des Rates lautete es unter anderem: "Um eine große Akzeptanz zu erreichen, soll das Leitbild unter umfassender Bürgerbeteiligung erarbeitet werden".

Um dieser Vorgabe zu entsprechen, wurde die Bürgerschaft in drei unterschiedlichen Beteiligungsforen und -formaten für die örtliche Wirtschaft, die Gruppe der ehrenamtlich Tätigen und einen repräsentativ ausgewählten Kreis aus Männern und Frauen aller relevanten Bevölkerungsgruppen beteiligt. Ergebnis waren drei Foren Ehrenamt, Wirtschaft und Bürgerschaft.

Weiterhin wurden die gesamte örtliche Ratspolitik , der Personalrat, das Führungspersonal und die Produktverantwortlichen der Stadtverwaltung eingebunden.

KGSt: Wie haben Sie sich mit der Politik vereinbart? Gibt es eine schriftliche fixierte Vereinbarung?

Bernd Kettenburg: Der Ratsauftrag zu Erarbeitung des Leitbildes war bereits umfassend und eindeutig schriftlich fixiert.

Das von einer Arbeitsgruppe aus Politik und Verwaltung unter Begleitung der KGSt erarbeitete Leitbild wurde am 21. Dezember 2017 vom Rat der Stadt Achim mit großer Mehrheit beschlossen. Darauf basierend, haben Rat und Bürgermeister am 01.11.2018 einstimmig eine Zielvereinbarung für die laufende 10. Wahlperiode des Rates beschlossen.

Die strategische Steuerung der Stadt über eine Zielpyramide vom Leitbild, über die Zielvereinbarung und strategische Ratsbeschlüsse, den Doppelhaushalt, bis hin zur Übernahme dieser Ziele in die leistungsorientierte Bezahlung der Beschäftigten nach dem TVöD, hat damit eine hohe Akzeptanz gewonnen.

KGSt: Was hat sich durch diesen Leitbildprozess verändert?

Bernd Kettenburg: Innerhalb der Stadtverwaltung wird in der strategischen Diskussion und Ausrichtung der Produkte jetzt sehr häufig anhand der Leitbildziele diskutiert und argumentiert. Jede Ratsvorlage enthält mittlerweile einen gesonderten Standardabschnitt, der die Leitbildrelevanz der Vorlage erläutert und Aussagen dazu trifft, ob sich die behandelte Maßnahme fördernd, gegenläufig oder neutral zu den Zielen des Leitbildes verhält.

In der politischen Diskussion des Haushaltes 2019/2020 wurden von den Fraktionen auch Abgleiche der von der Verwaltung eingestellten finanziellen Ressourcen mit den Zielen des Leitbildes und der Zielvereinbarung vorgenommen. Ebenso wurden fraktionelle Änderungs- und Ergänzungsanträge auf der Grundlage dieser Vereinbarungen bewertet und entschieden.

KGSt: Welche weiteren Schritte des Vorhabens sind nun geplant?

Bernd Kettenburg: Nachdem die Fachbereiche der Stadtverwaltung an der Umsetzung der operativen Ziele arbeiten, ist in der zentralen Steuerung im Sinne des Management-Zyklus P-D-C-A  jetzt zunächst das Controlling und damit auch das Berichtswesen zu organisieren und mit der Politik zu vereinbaren, um nach gemeinsamer Feststellung der Umsetzungsergebnisse und der Zielerreichungsgrade einen neuen Zielplanungskreislauf beim Leitbild und bei den Zielvereinbarungen beginnen zu können.

KGSt: Zu welchen Zeitpunkten war eine neutrale bzw. externe Begleitung förderlich?

Bernd Kettenburg: Um überhaupt vom politischen Auftrag in eine Umsetzung zu gelangen, war die professionelle Begleitung durch die KGSt durch Mitgestaltung des Leitbildprozesses, durch ihre fachliche Expertise zu Handlungsprämissen aus den Gutachten zur strategischen Steuerung von Kommunen und durch den unverstellten externen kritischen Blick auf das IST, insbesondere bei der SWOT-Analyse notwendig.

Auch beim "Bau des Zukunftshauses Achim" und der Herausarbeitung der wesentlichen Leitsätze war der geschulte extern Blick auf Alleinstellungsmerkmale und Chancen der Stadt unverzichtbar, die von den örtlichen Akteuren teilweise im Alltag einfach nicht mehr "gesehen" werden.

Die Konkretisierung in Maßnahmen und operative Ziele war dagegen in Händen der Betroffenen und Beteiligten aus der Stadt bestens aufgehoben.

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