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Mediation oder Meditation?

Und was hat Mediation mit Akrobatik zu tun?

Es könnte ein Schreibfehler sein, ist es aber nicht. Trotzdem hört sich das Wort "Mediation" seltsam fremd an und man kann sich auch nicht sofort etwas darunter vorstellen. Was es damit und dem Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis auf sich hat, soll in diesem Artikel veranschaulicht werden.

Als Teilnehmer der Ausbildung zum Mediator fühle ich mich an einen Artisten erinnert, der mit Worten und deren Bedeutung jongliert, der sich auf einem schmalen Grat der Unparteilichkeit balanciert, der Versuchsballons steigen und andere Personen auf dem Vulkan der Gefühle tanzen lässt.

Aber Mediation ist keine Akrobatik – sie ist harte Arbeit und wenn am Ende Lösungen gefunden und umgesetzt werden, gibt es nur Gewinnerinnen und Gewinner! Aber der Reihe nach.

Das Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis bildet Mediatorinnen und Mediatoren aus.

Mediation bedeutet die strukturierte Aufarbeitung von Konflikten. In Zeiten des Fachkräftemangels ist die Implementierung ein wichtiges Element des Personalmanagements und nebenbei ein ganz starkes Signal des Arbeitgebers der Fürsorge für seine Mitarbeitenden. Große Konzerne haben dies bereits erkannt, Verwaltungen bisher noch nicht.

Keine Verwaltung? Nein! Ein zukunftsorientierter Landkreis im Nordwesten von Baden-Württemberg – der Rhein-Neckar-Kreis – hat den Mehrwert erkannt, die eine Investition in Mediation mit sich bringt. Bereits 2017 führte das Landratsamt ein niederschwelliges Angebot zum Konfliktmanagement ein. In den ersten Jahren zeigte sich das Potenzial des Instruments, sodass sich daraus die Idee entwickelte, weitere Kolleginnen und Kollegen als Mediatorin bzw. Mediator zu qualifizieren. Insgesamt 15 Kolleginnen und Kollegen des Landratsamts qualifizierten sich in 7 Modulen (22 Tage) in den spezifischen Techniken und Instrumentarien. Darüber hinaus mussten ausbildungsbegleitend mindestens 20 Übungsstunden nachgewiesen und zum Abschluss ein Meisterstück erstellt werden.

Wie funktioniert Mediation nun genau?

Wenn Menschen unterschiedlicher Persönlichkeiten eng und lange zusammenarbeiten, können Spannungen im Arbeitsalltag vorkommen – das ist leider nichts Neues. Schwierig wird es, wenn Auseinandersetzungen dauerhaft ungelöst sind, eine eigene Dynamik entwickeln und sich verhärten. Ein Ausweg wird zunehmend schwierig, weil oft persönliche Bedürfnisse nicht erfüllt bzw. Gefühle verletzt sind. Am Ende bestehen Ängste, das Gesicht oder Prestige zu verlieren.

An diesem Punkt kann der Konflikt von den Betroffenen nicht mehr eigenständig geklärt werden. Im besten Fall gelingt es, dem Konflikt auszuweichen und ihn zu verdrängen. Im schlimmsten Fall wird weitergekämpft, bis eine Seite die Flucht ergreift. Hat die verbliebene Partei gewonnen und letztlich Recht behalten? Nein – in Wirklichkeit haben alle verloren. Daneben gibt es oft noch weitere Parteien, die verlieren – je nach Fall z. B. Angehörige oder der Arbeitgeber.

Hier schlägt die Stunde der Mediation. Durch ein strukturiertes Herangehen werden Konfliktthemen identifiziert und die damit einhergehenden Gefühle der Beteiligten herausgearbeitet. Der Schlüssel zur Klärung eines Konflikts ist meist das mit Gefühlen verbundene Bedürfnis, das dem Gegenüber und einem selbst vielleicht nicht bewusst ist.

Die Rolle der Mediatorin bzw. des Mediators besteht vereinfacht ausgedrückt darin, die Parteien zur Aussprache anzuregen. Der entscheidende Schritt ist, dass beide Seiten die Bedürfnisse ihres Gegenübers verstehen. Nun sind wir wieder bei der Akrobatik: wenn der Balanceakt in der Mediation gelungen ist, steht konkreten Lösungsansätzen und Vereinbarungen nichts mehr im Weg. Doch bevor dieser Erfolg gefeiert werden kann, stehen intensive Gespräche an und es bedarf Mut, sich mit sich selbst auseinandersetzen und viel über sich und die eigenen Bedürfnisse lernen zu wollen.

Erkenntnisse und Fazit

Die Ausbildung ist auch virtuell möglich, da die im September 2020 begonnene Ausbildung wegen Corona nach nur einem Modul virtuell abgebildet werden musste. Trotz anfänglicher Bedenken, dass die Übungen virtuell keine vergleichbare Qualität haben, wurde die Ausbildung ein voller Erfolg und mit den Präsentationen der Meisterstücke im Februar 2022 abgeschlossen.

Den Teilnehmenden hat sich durch die vertiefte Auseinandersetzung mit Kommunikation und den vielfältigen Methoden eine neue Welt eröffnet. Dem Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis steht nun ein kurzfristig einsatzbereiter Pool an Mediatorinnen und Mediatoren zur Verfügung, wobei es wünschenswert wäre, wenn der Ernstfall nicht zu häufig vorkommt.

Durch die Ausbildung haben die Führungskräfte und Mitarbeitende des Haupt- und Personalamts ihre Kompetenzen auch für den Arbeitsalltag (z. B. Betriebliches Eingliederungsmanagement) erweitert.

Lesen Sie zu dem Thema auch den KGSt®-Bericht "Mitarbeitende binden – Gestaltungsfelder und Maßnahmen" (4/2020). In einem weiteren Bericht wird das Thema "Professionelles Coaching in der Verwaltung" (4/2018) aufgegriffen.

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