Webcontent-Anzeige

(K)Ein Blind Date mit der Ungewissheit

Rückblick auf den 19. KGSt®-Personalkongress

Wenn Improvisation zur Kompetenz wird und "niemand weiß, was kommt", dann war es der 19. KGSt®-Personalkongress in Köln. Zwei Tage, 15 Referentinnen und Referenten, 18 Sessions und nahezu 250 Teilnehmende. Zum Motto "expect the unexpected – Ihre Verabredung mit der Ungewissheit" wurde wieder aufmerksam zugehört, intensiv diskutiert und kreativ mitgemacht – mit zahlreichen Überraschungsmomenten.

 Improvisationstheater mit Oliver Pauli und Kathrin Seiter Improvisationstheater mit Oliver Pauli und Kathrin Seiter

Für die erste Irritation sorgte Oliver Pauli vom placebotheater Münster. Mit einem lockeren "Na, fragen Sie sich auch, wer der Mann da auf der Bühne ist?" gab er den Startschuss für den Personalkongress und einen humorvoll-ernsten Einstieg in das Kongressmotto. Dabei ließ er das Plenum nicht lange im Ungewissen, sondern gab sich als Improvisationskünstler, Trainer und Lehrbeauftragter zu erkennen, der schnell vom Wort zur Tat kommt.

In einer unvergleichlichen Szene spielte er gemeinsam mit unserer Referentin Kathrin Seiter fiktiv ihren ersten Arbeitstag in einem neuen Amt durch, wobei er, angeleitet durch Feedback aus dem Plenum, ihren neuen Chef mimte.

Die heitere Stimmung des Publikums ließ darauf schließen, dass jede/r wohl bereits die eine oder andere beobachtete Situation und Verhaltensweise erlebt hat. Oliver Pauli griff die Stimmung gekonnt auf und leitete über zu der Frage, was Improvisationstalent zu einer entscheidenden Zukunftskompetenz macht.

Er räumte mit der landläufigen Meinung auf, dass Improvisation "völlig frei passiert". Vielmehr folgt die Improvisation klaren Prinzipien, wie z. B. "Mach den Anderen groß" oder "Sag ja, und …" sowie "Retten ist Pflicht" – Prinzipien, die auch im Arbeitsalltag und vor allem im Umgang mit Ungewissheit sehr wirkungsvoll sein können.

Nach diesem Auftakt begrüßte unsere Programmbereichsleiterin Ines Hansen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Namen der KGSt und des Personalmanagement-Teams mit Gudrun Hegemann, Heike Krutoff, Kathrin Seiter und Lena Ottersbach sowie Jana Thimm als Kongressorganisatorin. Sie lud dazu ein, den Schritt ins Ungewisse zu wagen und den zwei Kongresstagen mit Neugier und Experimentierfreude zu begegnen.

Webcontent-Anzeige
 "Futurologe" Max Thinius

Die Neugierde des Plenums weckte dann auch prompt ein Mann mit Hut, der über sich selbst sagt, dass sein Beruf eigentlich erfunden ist. An Selbstironie mangelte es dem Futurologen Max Thinius schon mal nicht und auch nicht an bodenständigem Weitblick, wie er in seiner gleichermaßen unterhaltsamen, fundierten und kurzweiligen Keynote eindrucksvoll zeigte.

"Die meisten Menschen denken doch," sagte er, "Zukunft heißt: viel Technik, keine Jobs und dann noch Insekten essen! Doch – die Zukunft denkt anders!". Und diese "andere Denkweise" veranschaulichte er sehr praxisnah anhand der Handlungsfelder Gesundheit, Lebensmittel, Wohnen und Finanzen.

Seine Erfolgsformel lautet: analog-digitale Synchronisation als DER technologische und gesellschaftliche Steuerungsprozess. Und nach vielen inspirierenden Denkanstößen empfahl er zum Schluss: "Zukunft ist, was wir daraus machen. Packen Sie es an und gestalten Sie! Und dann genießen Sie die Zukunft!"

Mit diesen Eindrücken gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in eine rege Mittagspause und anschließend in eine der folgenden Themensessions.

Webcontent-Anzeige
 Vortrag von Dr. Christian Reiß Vortrag von Dr. Christian Reiß

Kennen Sie schon Ihre Mitarbeitenden von morgen?

Dieser Frage ging Dr. Christian Reiß, Leiter der Geschäftsstellen Düsseldorf und Stuttgart der Deutschen Gesellschaft für Personalwesen, auf den Grund.

Zunächst konnten alle Teilnehmenden im Rahmen einer Arbeitsprobe selbst testen, ob sie das Potenzial zur Papierflugzeugbauerin oder zum Flugzeugbauer haben. Wir verraten nur so viel: Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich. Die Kernbotschaft aber, dass das Potenzial ein ganz entscheidender Faktor ist, um die Mitarbeitenden von morgen zu kennen, wurde durch den kleinen Selbstversuch sehr anschaulich demonstriert.

Doch: welche Potenziale sind es denn genau, die die Mitarbeitenden von morgen auszeichnen? Wofür sollen sie Potenziale besitzen? Die Antwort auf diese Frage kann nur ein individuelles Schlüsselkompetenzmodell liefern, mit dem die eigenen Anforderungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschrieben werden und an denen vom Personalmarketing über die Personalauswahl bis hin zur Personalentwicklung und Potenzialerkennung das gesamte Personalmanagement ausgerichtet sein sollte.

Wie Achtsamkeit Sicherheit bei Ungewissheit geben kann

Was bedeutet Achtsamkeit überhaupt und wie lässt sie sich in den Arbeitsalltag integrieren? Dies erläuterte Loes Broekmate den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des gleichnamigen Workshops.

In zwei Minuten Achtsamkeit zu Beginn des Workshops konnten alle Interessierten selbst erleben, was es heißt, den Fokus auf das Hier und Jetzt zu lenken und was man plötzlich wahrnimmt, wenn man innehält und die eigenen Gedanken mit innerem Abstand beobachtet.

Anhand verschiedener Fragestellungen, die die Teilnehmenden zum Reflektieren einluden, machte Loes Broekmate bewusst, wie das eigene Verhalten Einfluss auf den Umgang mit Ungewissheit haben kann. Erkenntnisse darüber, wie Stress entsteht und ob Multitasking wirklich Zeit spart, waren weitere Bestandteile der Session.

Webcontent-Anzeige
 Dr. Eric Heinen-Konschak Dr. Eric Heinen-Konschak

Gewiss ungewiss: Effectuation als wirkungsvoller Umgang mit Ungewissheit

Der Ansatz von Effectuation, der aus der Forschung von Mehrfach-Unternehmensgründern entstanden ist, wurde in nur 90 Minuten von Dr. Eric Heinen-Konschak nicht nur vorgestellt, sondern konnte auch von allen ausprobiert werden. Die vier folgenden Prinzipien spielen dabei eine große Rolle:

1. Starte mit dem, was Du hast.
2. Gehe Partnerschaften ein um mehr Ressource/Energie zu bekommen.
3. Nutze den Zufall.
4. Überlege, was Du bereit bis zu investieren, auch wenn die Gefahr besteht, dass das Projekt scheitert.

Insgesamt ein lösungsorientierter Ansatz, der bei großer Ungewissheit Erfolg dadurch verspricht, Dinge auszuprobieren und immer wieder danach neu zu entscheiden, wie es weitergeht.

Webcontent-Anzeige
 Vortrag von Dr. Birgit Thomson Vortrag von Dr. Birgit Thomson

Was Ungewissheit mit uns macht

Um dieses Thema ging es bei Dr. Birgit Thomson von der baua (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin). Sie stellte den Zusammenhang zwischen Ungewissheit und der physischen und psychischen Gesundheit der Mitarbeitenden her.

Anschließend konzentrierte sie sich auf das Themenfeld "Führung und Organisation". Das Führungshandeln nimmt eine Schlüsselrolle für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden und einen erfolgreichen "Change" ein.

Dr. Thomson empfahl eine mitarbeiterorientierte Führung, soziale Unterstützung und Fairness als Gestaltungselemente. Abschließend stellte sie ein neues Forschungsprojekt vor, an dem sich noch Kommunen beteiligen können.

Webcontent-Anzeige

Zum Abschluss des ersten Kongresstages betrat noch einmal Oliver Pauli die Bühne und improvisierte unter der Überschrift "Wenn die Ungewissheit ihren Schrecken verliert ..." das Feierabendbier in der Eckkneipe als Zusammenfassung der bisherigen Inhalte so humorvoll und treffend, dass das Plenum Tränen lachte und gut gelaunt in einen gemeinsamen Abend mit ungewissem Ausgang startete.

Der zweite Tag begann mit leisen Klaviertönen und lautem Zuspruch. "Nur Mut! Die Zukunft ist noch nicht gemacht!", lautete der Titel der Keynote von Ines Hansen. Sie blieb ihrer Metapher der Gartengestaltung vom KGSt®-FORUM 2017 treu und appellierte als einen von sieben Handlungsansätzen für Führungskräfte an die Teilnehmenden: "Treten Sie nicht auf die Gänseblümchen", womit sie die vielen, innovativen Ideen in einer Verwaltung meinte.

"Wenn die Zukunft anders denkt", erinnerte sie an den Vortrag von Max Thinius, "dann sind neue Ideen eine Möglichkeit, der Ungewissheit zu begegnen. Werden Sie Möglichmacherin oder Möglichmacher und lassen Sie Anders-Denken zu."

Gelegenheit zu neuen Denkweisen gab es dann auch direkt im Anschluss in vier verschiedenen Themensessions.

Webcontent-Anzeige
 Einblicke in den Vertrieb: Marco Tümmler Einblicke in den Vertrieb: Marco Tümmler

Wenn Ungewissheit Alltag ist – was wir aus dem Vertrieb lernen können

Marco Tümmler, Geschäftsführer der Firma Gaggenau, gab nicht nur sehr lebhafte Einblicke in den täglich ungewissen Alltag im Vertrieb. Durch einen Mitte des Jahres angestoßenen Fusionsprozess, der zum 1. Januar 2020 wirksam wird, konnte er auch die ganz frischen Erfahrungen aus dem "zunächst ungewissen Veränderungsprozess" einbringen.

Entscheidend im Umgang mit Ungewissheit bei den Mitarbeitenden im Vertrieb ist die mentale Haltung, geprägt durch Eigenverantwortung und Kommunikationsfähigkeit. Auf der Führungsseite sind es vor allem Vertrauen und auch die permanente wertschätzende Kommunikation, die den Umgang mit Ungewissheit bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Fazit: von der mentalen Haltung im Vertrieb können wir definitiv etwas abgucken und adaptieren.

Unsicherheit begegnen: Personalkostenbudgetierung flexibel gestalten und Risiken kalkulierbar machen

Michael Gerstacker, KGSt-Referent im Programmbereich Finanzmanagement, stellte die Frage, ob bewährte Planungs- und Steuerungsinstrumente angesichts zunehmender Ungewissheit an ihre Grenzen stoßen. Dies sei nicht der Fall, wenn sie entsprechend des örtlichen Steuerungsbedarfs ausgestaltet werden. Probleme müssten vielmehr identifiziert und die Personalkostenbudgetierung vor Ort flexibel gestaltet werden. Dazu bedarf es der Stärkung der Budgetverantwortung im Rahmen dezentraler Regelungen und Vertrauen in die Beschäftigten und Führungskräfte.

Wie das konkret aussehen kann, zeigte Sabine Heim am Beispiel der Personalkostenbudgetierung der Landeshauptstadt Wiesbaden. Das "neue" System zur Steuerung der Personalkosten habe nur drei Kennzahlen: das vereinbarte, budgetierte Personalkontingent, das Dezernatsbudget und den Ergebnishaushalt. Es gäbe eine hohe Entscheidungsfreiheit für die Dezernate, die sich bewährt habe.

Andreas Ochs vom Kreis Wesel rundete das Thema ab, indem er anschaulich mit dem Bild des "Regenschirms" zeigte, wie Führungskräfte durch ein professionelles Risikomanagement entlastet werden können. "Den Fokus auf das Wesentliche lenken", ist dabei das Motto. Ein Risikofrühwarnsystem helfe, mit Risiken bewusst umzugehen, schaffe Akzeptanz in der Führungslinie, führe zu einer nachvollziehbaren Priorisierung von Aufgaben und könne bei aufgetretenen Schäden den Vorwurf des Organisationsversagens entkräften.

Webcontent-Anzeige
 Gruppenarbeit mit Birgit Reif Gruppenarbeit mit Birgit Reif

Verwaltung in Zeiten von Ungewissheiten – Kann man aus Krisen lernen?

Die Antwort lautet eindeutig: Ja! Was genau wir aus Krisen und insbesondere aus der Flüchtlingskrise lernen können, stellte Birgit Reif, Leiterin des Landratsbüros im Landratsamt München, dar. Neben den "lessons learned" des Landkreises München standen die ungewissen Situationen des Verwaltungsalltags der Teilnehmenden im Mittelpunkt.

Gemeinsam wurde zu der Frage gearbeitet "Wie können wir der ungewissen Situation begegnen?". Bei den abschließenden Pitches wurde eine bestärkende Erkenntnis deutlich: Wir haben und können schon viel in den Verwaltungen. Manchmal muss man einfach "Ja" sagen, machen und mutig sein.

Webcontent-Anzeige
 Ungewissheit und Strategie mit Stephanie Vogel, Dirk Niederhaus und Dr. Götz Volkenandt Ungewissheit und Strategie mit Stephanie Vogel, Dirk Niederhaus und Dr. Götz Volkenandt

Bei all der Ungewissheit – wer braucht dann noch eine Strategie?

Kommunen experimentieren mit neuen Arbeitskulturen, neuen Arbeitsmethoden und auch veränderten Strukturen. Langjährig praktizierte Instrumente wie auch als sicher erachtete Dienstvereinbarungen werden infrage gestellt.

… Und: schneller und bedarfsorientierter arbeiten – das ist derzeit die Devise. Was hat dabei überhaupt noch Bestand? Sind Strategien bei all der Ungewissheit nicht überflüssig?

Dem setzten Dirk Niederhaus und Dr. Götz Volkenandt ein entschiedenes "Nein" entgegen. Gemeinsam mit Stephanie Vogel, KGSt-Referentin im Geschäftsbereich Beratung und Vergleiche, zeigten sie sehr anschaulich auf, dass, angesichts gestiegener Anforderungen an Flexibilität und Veränderungsfähigkeit, der Bedarf wächst an gemeinsamer Orientierung und insbesondere an der Verständigung auf gemeinsam entwickelte Ziele.

Das gilt auch für den Bereich Personal: Trotz Technik und Digitalisierung steht das Personal mehr denn je im Mittelpunkt.

Webcontent-Anzeige
 Keynote von Frederic Fuchs Keynote von Frederic Fuchs

Nach den interaktiven Impulsen erwartete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch ein ganz besonderer Programmpunkt als Abschluss-Keynote.

Frederic Fuchs, Geschäftsführer der TAM Akademie für Trainerausbildung und Personalentwicklung, stellte in seinem Vortrag "New Work Leadership – Führung in Zeiten der Ungewissheit" die provokative Frage: Was ist eigentlich dieses New Work und was hat das mit Führung zu tun? Souverän und eindeutig räumte er mit Halbwahrheiten rund um New Work auf und wies anhand der TAM Akademie eindrucksvoll nach, wie Tradition mit Innovation verbunden werden kann.

Sein Credo lautet: Haltung schlägt Methode. Und Führungskräfte sind für ihn vor allem Weggefährten in Zeiten der Ungewissheit. New Work Leadership ist die Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen und sein Team durch den Prozess zu begleiten.

Sie interessieren sich für die vollständigen Inhalte der Beiträge? Dann rufen Sie als registriertes KGSt-Mitglied die Dokumentation zum 19. KGSt®-Personalkongress ab.

KGSt MediaGallery

Impressionen vom Personalkongress

Webcontent-Anzeige
Bildnachweis Megafon – Aktuelles © Zerbor Fotolia.com