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Welche Themen bewegen das Controlling und Finanzverantwortliche in Unternehmen im Laufe der Zeit?

Und welche Schlüsse könnten Kommunen daraus ziehen?

Vor zehn Jahren haben die Professoren Utz Schäffer und Jürgen Weber von der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar, damit begonnen, Veränderung des Controllings über die Zeit mit empirischen Studien zu begleiten und das Erscheinen und Verschwinden des einen oder anderen Modethemas durch Befragung von Controllern und Finanzvorständen nachzuverfolgen. Zwar unterscheiden sich Unternehmen von der öffentlichen Verwaltung, aber es gibt für das kommunale Controlling und Finanzverantwortliche durchaus interessante Entwicklungen und auch Vergleichbares.

 Grafik: Ranking der Zukunftsthemen nach erwarteter Bedeutung für 2025 Ranking der Zukunftsthemen nach erwarteter Bedeutung für 2025

 

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Das Ergebnis der Abfrage im Jahr 2020 zu Zukunftsthemen für das Jahr 2025 zeigt eine nach wie vor hohe Relevanz der Digitalisierung für das Controlling. Die Themen "Informationssysteme", "Datenmanagement", "Effizienz des Controllings" und "Digitale Kompetenzen" führen das Ranking an, nur in ihrer Reihenfolge haben sich im Vergleich zu den Vorjahren leichte Verschiebungen ergeben. Den stärksten Anstieg in der erwarteten Bedeutung verzeichnen die "Digitalen Kompetenzen“ (Entwicklung und Interpretation statistischer Modelle, Datensicherheit, Datenschutz, Datenarchitektur und Data Sourcing, Wissen um digitale Technologien und Trends), wobei sich laut der Autoren häufig noch immer keine klare Strategie für den Ausbau dieser Kompetenzen abzeichnet.

Neue Aufmerksamkeit erfahren das Krisen- und das Risikomanagement, was überwiegend der aktuellen Situation geschuldet ist. Die Autoren überrascht das nicht und ihre Schlussfolgerungen sind für Kommunen bedenkenswert: Krisenmanagement ist für das Controlling weniger ein Zukunftsthema, sondern gehört zum Handwerkszeug, das aber nur in Krisensituationen abgerufen wird. Anders sieht die Bewertung der Autoren im Hinblick auf das Risikomanagement aus: Soll dieses auch in Zeiten von Unsicherheit und Komplexität helfen, darf es sich nicht auf Compliance und bereits bekannte Risiken beschränken, sondern muss sich fachübergreifend mit unbekannten Umfeld-Risiken auseinandersetzen, was bedeutet, das Undenkbare in Erwägung zu ziehen und die "schwarzen Schwäne" nicht außer Acht zu lassen.

Verwundert sind die Autoren über einen "Absteiger" im Ranking der Zukunftsthemen, trotz hoher Aufmerksamkeit in der Fachdiskussion: "Agile Unternehmenssteuerung" (von Platz 8 im Jahr 2017 auf Platz 15). Ebenfalls als vergleichsweise nicht so bedeutsam werden die Themen "Prozessautomatisierung" und "Künstliche Intelligenz" genannt. Der Einsatz künstlicher Intelligenz scheint in der Breite noch weit weg vom Alltag der Befragten zu sein. Der Prozessautomatisierung messen zumindest die größeren Unternehmen eine deutlich höhere Bedeutung zu als die mittleren und kleinen Organisationen. Die Autoren sind davon überzeugt, dass sich das in den nächsten Jahren ändern und es kein Vorbeikommen an diesen Themen geben wird.

Erstaunlicherweise hat es das Thema "Resilienz" (Robustheit von Organisationen) insgesamt nicht unter die TOP 10 geschafft, kleine Unternehmen sehen das Thema aber auf Platz 5. Die Autoren vermuten als Begründung einerseits die stärkere Betroffenheit in der Krise, andererseits die unmittelbare Nähe der Befragten zur Leitung und der Gesamtverantwortung dieser Unternehmen, für die der Bestandserhalt natürlich ein Top-Thema ist. Das ist zwar für Kommunen nicht relevant, aber zumindest die letzten Wochen und Monate haben gezeigt, dass es in einzelnen kommunalen Aufgabenfeldern (Pandemiebewältigung, Klima, Bevölkerungsschutz) und verantwortlichen Organisationseinheiten zumindest hinsichtlich Krisenresilienz noch Luft nach oben gibt.

Im Jahr 2011 in der Erhebung noch unter den zehn wichtigsten Themen, erscheint aktuell "Nachhaltigkeit" dort nicht mehr. Die Autoren glauben, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern wird (und muss), da hiervon die gesellschaftliche Akzeptanz unserer Wirtschaftsweise abhängt. Auf Kommunen übertragen könnte das bedeuten – neben dem anzustrebenden Haushaltsausgleich als fiskalischer Ausdruck einer intergenerativen Gerechtigkeit – Investitionen und Budgetanpassungen verstärkt in Richtung Nachhaltigkeit vorzunehmen.

Quelle: Schäffer, Utz; Weber, Jürgen: Die Digitalisierung steht weiter im Mittelpunkt. Die Veränderung des Controllings im Spiegel der vierten WHU Zukunftsstudie, veröffentlicht in Controlling – Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung, Heft 1/2021, S. 50-57

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